Produktivität: Österreich stagniert

23. Juli 2007, 19:02
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Studie: Alpenrepublik kommt auf 57 von 100 möglichen Punkten - Gute Position bei Hightech

Wien/Friday Harbor - Österreich wäre für stark automatisierte und technisch anspruchsvolle Produktionen ein geeigneter Standort, für weniger komplexe sowie lohnintensive Fertigungen aber zu teuer. Das ist das Fazit einer Studie des renommierten US-Beratungsunternehmens Beri (Business Environment Risk Intelligence), das in einem weltweiten Vergleich Jahr für Jahr die Arbeitsproduktivität in einzelnen Ländern erhebt.

In einer auf Basis dieser Daten erstellten "Weltrangliste der Arbeitsproduktivität" kommt Österreich 2006 auf 57 von im Idealfall 100 Punkten (siehe Grafik) - gleichauf mit 2005. Seit dem EU-Beitritt 1995 hat Österreich allerdings drei Punkte eingebüßt.

Das Beri-Institut, das in 140 Ländern arbeitet, bewertet die Lohnkosten im Verhältnis zur Produktivität, zum Ausbildungsniveau der Mitarbeiter, zu den Kostenbelastungen durch Sozial- und Mitbestimmungsgesetze sowie den durch Fehlzeiten und Streiks verursachten Kosten. Beri unterscheidet nach hochentwickelten, Schwellen- und Entwicklungsländern. In der ersten Gruppe muss sich Österreich unter anderem nach Ländern wie USA (75 Punkte), Schweiz (74), Belgien (73), Japan (72), Niederlande (66) und Deutschland (61) geschlagen geben.

Schlusslichter Vietnam, Venezuela und Nigeria

In der Gruppe der so bezeichneten "Schwellenländer" schneiden Tschechien (55 Punkte), Ungarn (55) und Polen (51) gut ab. Wegen Schwächen in der Infrastruktur und Qualität der Mitarbeiter wären diese neuen EU-Länder aber nur für Produktionen der "mittleren Technologie" geeignet. Das treffe nach Ansicht der Studienautoren auch auf Portugal (58 Punkte, gilt laut Beri-Definition als "Entwicklungsland", Anm. d. Red.), Türkei (56) und China (46) zu. Schlusslichter sind Vietnam, Venezuela und Nigeria.

Nur wenige Entwicklungsländer eigneten sich für einfache und lohnintensive Fertigungen. Beri warnt daher vor der Verlagerung von Betrieben in ungeeignete Niedriglohnländer. Durch Mängel in der Infrastruktur, Ausbildung und Motivation der Arbeitskräfte sowie durch Bürokratie und Korruption seien in vielen dieser Länder die tatsächlichen Produktionskosten meist überraschend hoch. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2007)

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