Skoceks Zeitlupe: Im Rausch

5. Juli 2007, 16:22
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Das Dopingnetzwerk gehört wie die Kokain- oder Alk-Mafia verfolgt und zerschlagen

In Deutschland nimmt die Debatte rund um das neue, auch strafrechtliche Maßnahmen gegen verurteilte Sportler beinhaltende Antidopinggesetz an Schärfe zu. Nicht, dass einer für die Verwendung illegaler Kraftmittelchen wäre. Im Gegenteil, manchen Saubermännern sind die Strafdrohungen zu milde.

In Österreich will die Politik angeblich auch den Freizeitsportlern die Kraftpillen vermiesen. Nach dem Rauchverbot, der Schließung der Trafiken, der Heurigen sowie der Rodung der Suchtmittelanbauflächen in der Wachau und im Seewinkel eine logische Fortsetzung des Kampfes für die Gesundheit.

Fehlt noch die Kontrolle. Im Training heimischer Spitzenfußballklubs kommen unangemeldete Dopingkontrollen so selten vor wie interessante Plaudereien im "Extrazimmer". Dort sollte ein Kontrollor bei den Gespritzten vorbeischauen und vor schlechtem Beispiel warnen. Das trocken, vernünftig und gesittet abgelaufene Donauinselfest wäre der Beginn eines Lebens ohne Mittel, die stark oder schwach machen, von Anabolika über Alkoholika bis hin zu Energydrinks.

Das Dopingnetzwerk gehört wie die Kokain- oder Alk-Mafia verfolgt und zerschlagen, Profiteure, Produzenten und Ärzte in Musterprozessen abgeurteilt. Sport muss sauber, unschuldig, familiengerecht sein, um profitabel zu bleiben. Statt Sündenböcke zu spielen, könnten Sportler endlich wieder Sport treiben, nicht angewandte Chemie. Und mangels Aufputschmitteln herrschte auf der Westtribüne endlich Gemeinschaft statt Gemeinheit.

Rainhard Fendrich hat angekündigt, mit Andreas Ivanschitz eine EURO-Hymne zu singen. Vielleicht sollte man mit dem Verbot bewusstseinszerstörender, blutdrucksenkender, ausdauerfördernder Mitteln noch warten. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 25.6. 2007)

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