Gazprom und ENI prüfen neue Gasleitung nach Österreich

23. Juli 2007, 16:00
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"South Stream" soll russisches Gas über Schwarzes Meer und Bulgarien nach Nord- und Südeuropa bringen

Rom/Wien - Der russische Gasversorger Gazprom und der italienische Ölkonzern Eni wollen eine neue Gasleitung nach Österreich bauen. Die Pipeline soll den Namen "South Stream" tragen und über 900 Kilometern von Russland unter dem Schwarzen Meer hindurch nach Bulgarien führen. Von dort aus soll dann ein Strang nach Österreich und Slowenien sowie ein zweiter nach Puglia in Süditalien geleitet werden, erläuterte ENI-Chef Paolo Scaroni laut Agenturberichten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew.

Willenserklärung

Die beiden Konzerne haben davor am Wochenende bereits eine gemeinsame Willenserklärung unterzeichnet. ENI und Gazprom halten je 50 Prozent an der Leitung. Ob von Bulgarien weg tatsächlich beide Stränge gebaut werden, ist allerdings noch unklar. "Es könnten beide Stränge, aber womöglich auch nur einer errichtet werden", sagte Scaroni.

Erreichen soll die Pipeline zumindest eine Kapazität von 30 Mrd. Kubikmetern Gas pro Jahr. In den nächsten neun Monaten würden Machbarkeitsstudien erstellt und die notwendigen behördlichen und regulatorischen Genehmigung geprüft. Die Bauzeit werde voraussichtlich vier bis fünf Jahre betragen, erklärten die beiden Konzerne.

"Nabucco derzeit nur auf dem Papier"

Kommt die "South Stream" tatsächlich nach Österreich, ist eine Beteiligung der Gazprom am OMV-Projekt "Nabucco" endgültig vom Tisch, berichten die Agenturen. Mit der "Nabucco" will die OMV Gas aus dem Kaspischen Meer und dem Nahen Osten über die Türkei und den Balkan nach Europa bringen. Gazprom-Vizechef Medwedew hatte schon vor einem Monat Zweifel an dem Projekt angemeldet. Nabucco gebe es derzeit nur auf dem Papier. "Wenn Sie mich fragen, wird Nabucco nicht verwirklicht", erklärte er jüngst.

Für die Weiterverteilung von Gas aus der "South Stream" verfügen sowohl ENI als auch Gazprom bereits über große Infrastruktur-Einrichtungen in Österreich. Die italienische ENI kontrolliert die Trans Austria Gasleitung (TAG) vom niederösterreichischen Gas-Hub Baumgarten nach Südösterreich und weiter nach Italien. Der vor Kurzem stark vergrößerte Salzburger Gasspeicher Haidach steht zur Hälfte unter Kontrolle der Gazprom.

Durch die zusätzlich Leitung würde die Energieversorgung für die EU signifikant verbessert werden, erklärten die beiden Konzerne am Wochenende. Energie-Minister Viktor Christenko sagte, auch Griechenland und Bulgarien könnten über die neue Leitung versorgt werden. Über das Finanz-Volumen wurden keine Angaben gemacht.

Projekt "Blue Stream"

Neben der "South Stream" arbeiten Gazprom und ENI auch schon an einem zweiten Konkurrenzprojekt zur Nabucco. Nach jüngsten Plänen könnte auch die neue Pipeline "Blue Stream" von Russland in die Türkei über Südosteuropa bis Italien und auf der anderen Seite bis Israel verlängert werden. ENI hat vor einiger Zeit Gasreserven in Russland ersteigert, die über die neue Pipeline nach Europa verkauft werden könnten. (APA/Reuters/AFX/AP)

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