Madrid sieht Fatah al-Islam hinter Anschlag auf Blauhelme

2. Juli 2007, 10:15
141 Postings

Bisher kein Bekennerschreiben - UNO hält trotz Angriff auf Patrouille an Blauhelm-Einsatz fest

Zum Anschlag von Sonntagabend im Südlibanon, bei dem sechs UNO-Soldaten getötet wurden, bekannte sich niemand. Es gab jedoch zuvor Drohungen der sunnitischen Extremistengruppe Fatah al-Islam gegen die Blauhelme.

***

Beirut/Madrid - Das Verteidigungsministerium in Madrid macht für den Bombenanschlag im Südlibanon mit sechs toten Blauhelmsoldaten die palästinensische Extremistengruppe Fatah al-Islam verantwortlich. Die sechs UNO-Soldaten, drei Spanier und drei in spanischen Diensten stehende Kolumbianer, waren am Sonntag bei der Explosion wahrscheinlich einer Autobombe oder einem ferngezündeten Sprengsatz nahe dem Ort Marjayun im Südlibanon getötet worden.

Laut Unifil-Oberbefehlshaber Claudio Graziano wird der blutige Anschlag den Einsatz nicht verändern. Der Anschlag auf ein spanisches Bataillon mache die Truppe nur noch entschlossener, ihren Auftrag zu erfüllen, die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon zu sichern, erklärte Graziano am Montag. Der Anschlag sei nicht nur gegen den Libanon und die 13.000 Soldaten starke Truppe, sondern gegen die Sicherheit der Region insgesamt gerichtet gewesen.

Spaniens Verteidigungsminister Jose Antonio Alonso flog am Montag in den Libanon, um an einer Trauerfeier teilzunehmen und die Leichen zu überführen. Alonso sagte noch in Madrid, die spanische Regierung gehe von einem terroristischen Anschlag aus.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Die Islamisten-Gruppe Fatah al-Islam (Islamische Eroberung), die ideologisch dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe steht, hatte mit Anschlägen gegen die Unifil im Südlibanon gedroht. Sie hat die Unifil wiederholt beschuldigt, das palästinensische Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden des Libanon angegriffen zu haben.

Die Unifil-Truppe überwacht seit nahezu 30 Jahren den Libanon. Die ersten Einheiten kamen nach einem israelischen Einmarsch von 1978 als Beobachter ins Land. Nach dem Ende des israelischen Kriegs gegen den Libanon von 2006 wurden die UNO-Blauhelme mit einem erweiterten Mandat ausgestattet, das notfalls Waffengewalt erlaubt.

Derzeit gehören der Libanon-Schutztruppe mehr als 13.000 Männer und Frauen aus 30 Ländern an. Das Hauptkontingent ist in einer Pufferzone südlich des Litani-Flusses stationiert. Die Mission an Land wird von Seestreitkräften ergänzt. Diese "Maritime Task Force" unter deutscher Führung überwacht das Seegebiet vor dem Libanon und soll Waffenschmuggel verhindern. (dpa, Reuters, AP/DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2007)

  • Download
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das UNO-Fahrzeug, in dem sechs Blauhelme starben, wurde am Montag vom Anschlagsort abtransportiert.

  • Artikelbild
Share if you care.