Luftgitarre-Freaks rockten in Wien: "Ich komme aus der Hölle!"

1. Juli 2007, 19:31
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"Jacqueline" Max Heller fährt nach Österreich-Finale zur WM in Finnland

Wien - Sie sind die kuriosen Virtuosen des Imaginären: Elf Luftgitarristen stellen sich am Samstagabend dem Österreich Finale der Airguitar-Meisterschaften 2007 in Wien. Als bester "Musiker" erwies sich nach zwei Durchgängen am unsichtbaren Instrument Max "Jacqueline" Heller. Der 25-jährige Niederösterreicher mit WM-Erfahrung - 2006 war er Fünfzehnter - wird gemeinsam mit dem Zweitplatzierten und Vorjahressieger Rainer "Le Freak" Fussgänger bei der bereits zwölften Weltmeisterschaft am 7. September im finnischen Oulu die rot-weiß-rote Fahne hoch halten.

Vertreter aus Bundesländern und der Titelverteidiger traten in einer Pflicht-Runde und einem Kür-Teil im Wiener Lokal "Little Stage"gegeneinander an. Hemmunglos, wild und rockig würgten, schwangen und schlugen sie ihre imaginären Gitarren und warfen sich dabei von einem Eck ins andere. "Ich komme direkt aus der Hölle!", tönte etwa einer der Wiener Kandidaten vor rund 100 Zusehern und machte seiner Ankündigung alle Ehre. Für viele Virtuosen war die Bühne eindeutig zu klein: Mehr oder weniger freiwillig unternahmen sie "Ausflüge" ins Publikum.

Originalgetreue Show

Max Heller ging aus Runde zwei als klarer Sieger hervor: Die Jury würdigte seine originalgetreue Show (er hatte sogar einen Gehilfen, der seine Luftgitarre "stimmte") mit den Höchstnoten. Die "Pseudo-Musiker" hatten unter den Augen einer dreiköpfigen Fach-Jury gewetteifert, die für die Performances Punkte auf einer Skala von 4.0 bis 6.0 vergab. Bewertet wurden Outfit und Styling, Rhythmusgefühl, Haltung der "Gitarre", Ausstrahlung und Charisma, Spontaneität und Gesamteindruck der Show. Wer mit aufblasbarer Plastikgitarre oder Tennisschläger geübt hatte, musste diese vor dem Auftritt abgeben. Auf der Bühne waren keinerlei Hilfsmittel erlaubt.

Die meisten absolvierten ihre Gigs spontan: Eine Stegreif-Show lieferten etwa die beiden einzigen weiblichen Kandidaten, Liesi und Agnes aus Niederösterreich. Die 26-jährigen Rockerinnen hofften dabei auf den Frauenbonus, gingen aber leer aus. Wenig angespannt und ohne Erfolgsdruck stellte sich auch der Titelverteidiger Rainer "Le Freak" Fussgänger dem Kontest. Der WM-Sechste im psychedelischen 70er-Jahre Outfit schwörte auf "harte Übung und Spaß" als Erfolgsgaranten, wie er der APA verriet.

"Aus Gaude"

"Gewisse Moves sollte man vielleicht üben, damit man sich nicht verletzt", gab Sieger Max, der ursprünglich "aus Gaude" gekommen war, Experten-Tipps. Kollege Christian Burger (28) dürfte diesen Rat nicht beherzigt haben: Nach der Vorrunde konnte der Oberösterreicher "ein Monat lang nicht richtig gehen", weil er bei einem Sprung von der Bühne umgeknickt war. Sein imaginäres Instrument in die Ecke stellen, wollte er trotzdem nicht: "Man kann viel mehr machen, als mit einer richtigen Gitarre und man hört die falschen Töne nicht", schmunzelte er.

Die österreichische Luftgitarre-Meisterschaft ist heuer sechs Jahre alt. Im Sommer 2008 ist Wien Austragungsort der Europameisterschaft - der Österreich-Bewerb macht daher vorerst Pause. (APA)

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