Wien wird Biotechnologie-Riese

15. April 2008, 14:03
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Neues Institut in der Muthgasse: Viren-, Gift- und Allergen-Forschung

Wien – Die Bundeshauptstadt ist dabei, einer der wichtigsten europäischen Standorte für Biotechnologie zu werden. Der nächste Schritt wurde am Freitag vollzogen. Uni-Minister Johannes Hahn, Bürgermeister Michael Häupl und Boku-Rektor Hubert Dürrstein vollzogen den "Spatenstich" für einen Gebäudekomplex in der Muthgasse, dessen Bau durch den Ausstieg des Pharma-Konzerns Baxter um einige Jahre verzögert wurde.

Nah an der Realität

2009 soll das "Vienna Institute of Biotechnology" (VIBT) bezogen werden. Aufgenommen werden das Zentrum für Nanobiotechnologie, das Institut für Genetik und Zellbiologie sowie die Lebensmittelwissenschaften – lauter Forschungsgebiete mit enormer realer Bedeutung. Jetzt schon wird im bestehenden Gebäudekomplex in der Muthgasse 18 in Wien-Döbling in der Krebsforschung (was Viren als Verursacher betrifft), in der Aids-Forschung und in der Stammzellenforschung (Stammzellen von Erwachsenen) erfolgreich gearbeitet. Zunehmend kooperativ, was auch durch die Anwesenheit von Josef Penninger, dem Chef des Instituts für molekulare Biotechnologie in der Bohrgasse, dokumentiert wurde.

Dabei stellten der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler und der Hauptbetreiber des neuen Instituts, Hermann Katinger, übereinstimmend fest, dass es in Österreich immer noch zu wenig Risikokapital gebe. Katinger forderte die Banken auf, mehr "Spielkapital zur Verfügung zu stellen". Fischler nannte auf diesen Sektoren Irland als Vorbild. Penninger assistierte: In Österreich habe sich vieles geändert, "aber es geht noch immer zu langsam". Der Nanobiotechnologe Uwe Sleytr betonte zudem die Bedeutung der Risikoforschung – auch gegenüber der Öffentlichkeit, denn "viele Ängste entstehen durch Nichtwissen". Im Rahmen dieser Start-Veranstaltung der Universität für Bodenkultur wurde auch ein Vertrag über einen Gerätepool unterzeichnet, in den die Gemeinde Wien zehn Jahre lang insgesamt zehn Millionen Euro investieren wird. Drei Millionen kommen von der Boku selbst. Forschung und in das Institut inkludierte Spin-offs und Start-ups (Unternehmensgründungen) werden davon profitieren.

Bei der Eröffnung am Freitag kamen Betreuungseinrichtungen für Kinder ebenso zur Sprache wie eine Fußgängerbrücke. (red, DER STANDARD Printausgabe, 23/24.6.2007)

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