Kreativ durchgeladen, ästhetisch geschossen

22. Juni 2007, 20:00
1 Posting

Chen Chieh-Jens Leseart einer in Europa rezipierten asiatischen Hinrichtungsmethode in "tb21"

Das Kaugummikauen irritiert, das ungelenke Räkelspiel vermag einen nicht so recht einzuspinnen. Ein näherer Blick entlarvt die mutmaßliche Bauchtänzerin schließlich als unrasierten Anfänger und den verdutzten Betrachter des stereotypisierenden Blicks auf die Türkei und Kutlug Ataman als türkischen Künstler.

Shooting back der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary fordert, in Anlehnung an den anthropologischen Dokumentarfilm der Sechzigerjahre, dazu auf, der gemeinen Geschichtsschreibung kühn-kreativ ins Handwerk zu pfuschen, eine aktive Rolle im Formulieren der eigenen Identität einzunehmen und jene kollektiven Topoi aufzugreifen, die in der Identitätskonstruktion gern umschifft werden.

18 vorwiegend filmische Arbeiten von internationalen Künstlern kommen diesem Appell teils provokativ-aufklärerisch, teils still erzählend nach. Neben Chen Chieh-Jens Leseart einer in Europa rezipierten asiatischen Hinrichtungsmethode, steht der Zuschauer staunend vor kreativ-esoterischen Interpretationen von Marxens Kapital (Anetta Mona Chisa/ Lucia Tkácová). Frischkäsegeruch hängt in der Luft, wenn Kristina Lekos beherzt für durch Richtlinienwahnsinn bedrohte Zagreber Milchfrauen eintritt. (clep, DER STANDARD/Printausgabe, 23./24.06.2007)

>> tb21,<7b> 1010 Wien, Himmelpfortg. 1, (01) 513 98 56, Di-So 12-18.00. Bis 28. 10.
  • Fotografie als "koloniale Aneignung": Chen Chie-Jen in "Shooting back"
    foto: chi-wen gallery

    Fotografie als "koloniale Aneignung": Chen Chie-Jen in "Shooting back"

Share if you care.