Das System Hypo Alpe-Adria

25. Juli 2007, 13:42
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Mit ihrem sehr speziellen Stil hat sich die Kärntner Bank ins schiefe Licht gestellt - Analyse

Wien - Wolfgang Kulterer, das bestätigen Banker und Aufseher unisono, hat aus einer lahmen Kärntner Bank in 15 Jahren ein großes, international aktives Institut gemacht. Die Hypo Group Alpe Adria ist heute in zwölf Ländern aktiv, hat rund 30 Mrd. Euro Bilanzsumme, 6200 Mitarbeiter, davon rund 1000 in Österreich.

Eigene Regeln

Allerdings - und auch darin sind sich fast alle einig - haben die Kärntner bei ihrem Wachstumskurs eigene Regeln befolgt; "sie haben sich eher wie aus der Realität losgelöste Cowboys benommen, weniger wie Banker", erzählt ein Mitarbeiter. Das Problem dahinter: Die Bank ist rasant gewachsen, die Strukturen innerhalb der Bank wurden aber nicht angepasst. Die Aufsicht hat darauf ab und an hingewiesen (etwa in Prüfberichten 2001 und 2004), vor allem die Risikosysteme massiv kritisiert. Mangelhafte Risikosysteme sind etwa so schlimm wie kaputte Notstromaggregate in der Intensivstation - getan wurde dagegen aber zu wenig.

Die Aufsicht will einen Compliance-Manager sehen, einen Geldwäschebeauftragten? Die Hypo hängt zunächst Juristen aus der Rechtsabteilung die Aufgaben um. Verboten ist das alles nicht, einen schlanken Fuß und Freunde in der Aufsicht macht es aber auch nicht.

Risiko genommen, wie das im Jargon heißt, wurde aber en masse, besonders in Kroatien. "Riskante Geschäfte, in die sich andere Banken nicht hineingetraut haben, haben wir gemacht", beschreibt das ein Involvierter. Man engagierte sich in Immobilien- und Tourismusprojekten sonder Zahl - ob die Kredite zurückfließen werden, steht noch in den Sternen, die Prüfer sind zum Teil skeptisch.

"Unnötigerweise Feinde gemacht"

Die Manager selbst gaben sich reichlich selbstbewusst, auch im Ausland. Mit der kroatischen Notenbank jedenfalls gerieten sie sich vor einigen Jahren in die Haare - die vorgeschriebene Mindestreserve (Geld, das bei der Refinanzierung vor Ort bei der Notenbank hinterlegt werden muss) wurde nicht immer erfüllt. "So hat man sich unnötigerweise Feinde gemacht", so ein Banker.

Das größte Problem in dem Zusammenhang: Bei den Eigenmitteln, mit denen Bankgeschäfte unterlegt werden müssen, kamen die Kärntner immer mehr unter Druck, zum Teil unter Wasser, weil sie die gesetzlichen Grenzen unterschritten. "Von unseren Eigentümern haben wir nie eine Kapitalerhöhung bekommen, wir mussten das alles selbst verdienen", sagte Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer am Freitag im Ausschuss. Nur einmal, 2005, habe es eine gegeben, als die Mitarbeiterstiftung fünf Prozent der Anteile um 90 Millionen Euro gekauft hat.

Was Aufsichtsratschef Kulterer nicht dazu sagte: Auch da gab es im Zusammenhang mit der Anrechenbarkeit Probleme mit Aufsichtsbehörde und Notenbank. Verkürzt dargestellt: Die Eigenmittel wurden bereits verbucht, als das Geld noch gar nicht geflossen war. Der Eigenkapitalbedarf der Bank war 2005 aber auch besonders hoch gewesen: Allein in dem Jahr hatte man rund fünf Milliarden Euro an Emissionen begeben, was Eigenmittel von 400 Mio. Euro (acht Prozen) bedingte. Aus dem Gewinn konnte man maximal 100 Mio. nehmen, "also musste man das Eigenkapital eben anders holen", heißt es. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.6.2007)

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