CIA gibt "Familiengeheimnisse" preis

29. Juni 2007, 17:30
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Attentatsversuche, Spionage, Schnüffelei: Der US-Geheimdienst will in der kommenden Woche geheime Dokumente aus den Jahren 1953 bis 1973 publik machen

Die für nächste Woche geplante Freigabe von lange Zeit geheim gehaltenen Dokumenten der CIA über Aktivitäten zwischen 1953 und 1973 könnte viele Fragen beantworten, Gerüchte bestätigen oder entkräften. Auf jeden Fall aber wird sie einen breiten Raum für Spekulationen öffnen.

"Der Großteil ist nicht schmeichelhaft", erklärte CIA-Direktor Michael Hayden, "aber es ist CIA-Geschichte." Die Dokumente, die aus etwa 700 Seiten bestehen, sollen eine Reihe von Spionageaktivitäten, versuchte Attentate und die Öffnung von Privatbriefen (etwa nach China oder in die Sowjetunion) durch die CIA enthalten. Gleichzeitig werden Schriftstücke im Umfang von insgesamt etwa 11.000 Seiten veröffentlicht, die sich mit dem Kalten Krieg beschäftigen.

Großes Interesse

Die als "Familienschmuck" bezeichneten Dokumente wurden im Jahr 1973 auf eine Anfrage des damaligen CIA-Direktors James Schlesinger hin zusammengestellt: Schlesinger forderte seine Angestellten auf, ihn über alle Aktivitäten "außerhalb" der legalen Aufgaben der CIA zu informieren.

Unter anderem soll sich unter den Dokumenten ein Programm aus dem Jahr 1969 über CIA-Bemühungen gegen "internationale radikale und schwarze Militante" befinden. Von großem öffentlichem Interesse ist auch, ob diese "family jewels" Hintergründe über eine Reihe der berühmtesten und berüchtigsten CIA-Aktionen enthält.

Nach dem Erscheinen eines Artikels des berühmten amerikanischen Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh in der New York Times über die Infiltrierung von Anti-Vietnam-Gruppen, der im Dezember 1974 publiziert wurde, warnte der damalige Außenminister Henry Kissinger den Präsidenten Gerald Ford, dies sei "nur die Spitze des Eisbergs" - unter anderem könne herauskommen, dass Robert Kennedy, der in den Jahren von 1961 bis 1964 als Justizminister tätig war, ein Attentat auf den kubanischen Präsidenten Fidel Castro persönlich überwacht habe.

Ob die Dokumente auch die Hintergründe eines der größten Misserfolge der CIA, die so genannte "Bay of Pigs" (Schweinebucht) im Jahr 1961 offen legen würden, ist derzeit noch nicht bekannt.

Offenes Geheimnis

Langjährige Spekulationen dass die CIA beim angeblichen "Selbstmord" des im November 1970 gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende im Jahr 1973 die Fäden gezogen haben könnte, könnten sich bestätigen.

Dass die CIA auch amerikanische Staatsbürger auf US-Staatsgebiet überwacht hat, ist seit Jahren ein offenes Geheimnis: Diese Tätigkeit wäre der CIA eigentlich von Gesetz wegen untersagt, weil dafür ausschließlich das FBI zuständig ist.

Die CIA bespitzelte und infiltrierte zwischen 1967 und 1971 verschiedene Anti-Kriegs-Gruppen, zu einer Zeit also, als sich die öffentliche Meinung in den USA zunehmend gegen den Vietnamkrieg wendete. Mitglieder des Geheimdienstes spähten zum Beispiel in Washington Protestgruppen aus, von denen angenommen wurde, dass sie eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnten. Viele Informationen seien an das FBI weitergeleitet worden. Obwohl bei Hearings im Kongress bereits eine ganze Reihe der illegalen Aktivitäten untersucht worden ist, ist die Herausgabe dieser Dokumente insofern von großer historischer Bedeutung, als sie von der CIA selbst zusammengestellt wurden.

Viele fragen nach den Beweggründen der CIA zur Freigabe dieser "family jewels" - diese Dokumente wurden seit Jahrzehnten immer wieder von Historikern, Journalisten in fruchtlosen Versuchen nach dem "Freedom of Information Act" gefordert -, immerhin agiert dieser Geheimdienst unter der Regierung Bush, bei der Geheimnistuerei das oberste Gebot ist. CIA-Chef Hayden erklärt seine Entscheidung unter anderem damit, dass Mythen und falsche Informationen oft schädlicher seien als die Wahrheit. Das Foto rechts aus dem Jahr 1961 zeigt ein Mitglied der kubanischen Armee auf einem abgeschossenen amerikanischen B-26-Bomber: Die erfolglose Invasion der Schweinebucht war eine der größten historischen Niederlagen des amerikanischen Geheimdienstes CIA. (Susi Schneider aus New York/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24. 6. 2007)

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    Der damalige amerikanische Justizminister Robert Kennedy soll höchstpersönlich ein Attentat auf den kubanischen Staatschef Fidel Castro (darunter; mit dem chilenischen Präsidenten Salvador Allende) überwacht haben.

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    foto: "das kino"
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    Das Foto aus dem Jahr 1961 zeigt ein Mitglied der kubanischen Armee auf einem abgeschossenen amerikanischen B-26-Bomber: Die erfolglose Invasion der Schweinebucht war eine der größten historischen Niederlagen des amerikanischen Geheimdienstes CIA.

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