"Man kommt ordentlich ins Schwitzen"

11. Juli 2007, 12:58
9 Postings

Ein Frauenteam vertritt Österreich in Paris beim Electronics Sports World Cup - und auch die "E-Sportlerinnen" kennen die Einkommensschere

Auch wenn manche den Kopf darüber schütteln: Computerspielen ist zum ernsthaften ProfisportIn Österreich gibt es rund 3000 "E-SportlerInnen". Darunter ein Frauenteam, das Österreich in Paris beim Electronics Sports World Cup vertritt. geworden.


Wien - Daniela Erblich (21) und Denise Gstöttner (20) schütteln vor dem Start noch einmal schnell ihre Hände locker. Mit flinken Finger tätigen sie die letzten Einstellungen an ihrem Sportgerät. Sie fixieren das Headset, nehmen die pinkfarbene Spezialmaus in die Hand. Dann bewaffnen sie sich mit Granaten, Pistolen und Messer und los geht's. Auf zur Jagd nach Terroristen.

"Geh du zur Rampe, ich komm' durch die Halle", ruft Daniela. "Da oben ist noch einer", weist Denise an, "wart, ich geh' rein und hol' ihn runter". Kurz darauf ist der Spuk vorbei. Die vielen Zwischenfragen der Journalistin haben die beiden abgelenkt, die Runde ist verloren.

Für Außenstehende sieht und hört sich die "Sportart", die die beiden jungen Frauen betreiben, reichlich martialisch an. Daniela und Denise sind "E-Sportlerinnen", die im Wettkampf ihr Können bei Computerspielen messen. Ihre Disziplin ist Counter-Strike (CS), ein so genannter Ego-Shooter, bei dem sich Fahnder und Terroristen gegenseitig gnadenlos jagen. Steht man den beiden zierlichen Frauen in ihrem schwarzen Team-Leiberl gegenüber, kommt man allerdings nicht auf die Idee, dass sie durch das nicht unumstrittene Action-Game zu potenziellen Gewalttäterinnen heranreifen könnten.

Momentan sind Daniela und Denise etwas im Trainingsstress. Denn gemeinsam mit den drei anderen Spielerinnen ihres Klans (Team) "Alert" bilden sie das österreichische Frauenteam beim ESWC, dem Electronics Sports World Cup, der vom 5. bis 9. Juli in Paris abgehalten wird. Die Veranstaltung ist für die "E-Gamer" der Olymp ihres Sports. 700 SpielerInnen aus 50 Ländern treten dabei gegeneinander an. Darunter 24 weibliche Counter-Strike-Teams, die von rund 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauern beobachtet werden.

Milliardenmarkt

"Im Gegensatz zu Deutschland ist der E-Sport in Österreich nicht sonderlich anerkannt und man schaut ein wenig auf uns herab", bedauern die beiden, denn "die Spiele verlangen viel an Konzentration, taktischer Überlegung und Strategie - und man kommt ordentlich ins Schwitzen".

Der E-Sport hat sich in vielen Ländern bereits etabliert. Kein Wunder, schließlich steckt ein großer Markt dahinter. Europaweit wurden 2006 für SpieleSoft- und Hardware rund elf Milliarden Euro hingeblättert.

Nescho Tepolow schätzt die Zahl der E-SportlerInnen in Deutschland auf 60.000 bis 70.000. In Österreich gebe es etwa 3000 wettkampfbegeisterte ComputerspielerInnen, darunter 100 echte Profis, von denen "ein paar" damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Tepolow ist Veranstalter des ESWC National Final Austria, bei dem es Anfang Juni gewissermaßen um den Einzug ins Nationalteam für die Weltmeisterschaft in Paris ging.

Bei den großen Wettbewerben geht es nicht nur um den Titel, sondern auch um ein ansehnlich hohes Preisgeld. 2007 spielen in Paris die weltweit besten E-Gamer um insgesamt 375.000 Euro.

Preisgeld für Frauen geringer

Wie so oft im Leben, wo Männer dominieren, steigen die Frauen schlechter aus. Während etwa der männliche Sieger in Counter-Strike - neben Warcraft III, Quake IV, Trackmania Nations und Pro Evolution Soccer 6 die "Königsdisziplin" unter den Spielen - ein Preisgeld von 30.000 Euro einstreichen darf, müssen sich die Siegerinnen mit 12.000 Euro zufrieden geben. "Wir dürfen auch nur gegen Frauen spielen, weil es heißt, Frauen seien schlechter", beschweren sich Denise und Daniela. "Klar gibt es ein paar Männer, die besser sind als Frauen, aber auch umgekehrt", sagen sie.

Die beiden österreichischen E-Sportlerinnen sind über ihren Freund bzw. Bruder aufs Computerspielen gekommen und "sporteln" seit drei Jahren. Für Paris trainieren sie seit ein paar Monaten via Internet dreimal die Woche drei bis vier Stunden. "Zu fix geregelten Zeiten, sonst klappt das nicht", betont Daniela, die als Teenager Leistungssport betrieben hat. Auch E-Sportlerkarrieren sind endlich. "Am besten sind die Spieler zwischen 16 und 25 Jahren", sagt Tepolow, "danach lassen die meisten nach". Doch bis dahin heißt es: kein Alkohol, keine Drogen, denn, so der E-Gaming-Veranstalter, "ohne klaren Kopf hat man keine Chance". (Karin Tzschentke/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.6. 2007)

  • Gewöhnlich wird von zu Hause aus trainiert. Vor Wettbewerben nutzen Daniela Erblich (li), Denise Gstöttner und ihre Klankolleginnen einen (kühlen) Übungsraum.
    foto: standard/fischer
    Gewöhnlich wird von zu Hause aus trainiert. Vor Wettbewerben nutzen Daniela Erblich (li), Denise Gstöttner und ihre Klankolleginnen einen (kühlen) Übungsraum.
Share if you care.