"Der russische Markt ist offen"

24. Juli 2007, 13:39
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Ausländische Banken haben es in Russland viel leichter als russische Institute in der EU, klagt der Präsident der Vereinigung russischer Banken, Garegin Tosunyan

Wien – Der russische Bankenmarkt ist offen, gut beaufsichtigt und äußerst stabil: Das ist die Botschaft von Garegin Tosunyan, dem Präsidenten des Verbandes russischer Banken. In einem STANDARD-Interview am Rande des GUS-Bankenforums in Wien wies Tosunyan alle Kritikpunkte am russischen Finanzmarkt als Folge einer unfairen Medienberichterstattung zurück.

Der Anteil ausländischer Beteiligungen am russischen Bankenmarkt sei in nur zwei Jahren von sechs auf 18 Prozent gestiegen und werde weiter wachsen, und er wünschte, russische Banken wären im Westen genauso gerne gesehen. "Bankinvestitionen müssen auf Reziprozität beruhen. Doch der russische Markt ist viel offener für ausländische Investoren als Europas Märkte für russische Banken."

Bemühungen

Beispiele gebe es genug: So bemühe sich eine russische Bank seit drei Jahren vergeblich um den Einstieg in den tschechischen Markt, und die Ukrainer seien bei der Bank Burgenland unberechtigterweise abgewiesen worden.

Die Forderung der USA und westlicher Staaten, dass Russland seinen Bankenmarkt auch für Filialen ausländischer Institute und nicht nur für Tochtergesellschaften öffnen soll, lehnt Tosunyan ab. Dies wäre eine Benachteiligung jener Banken wie Raiffeisen und Deutsche Bank, die bereits in Russland aktiv sind. "Der russische Markt ist stark liberalisiert, stärker als viele EU-Staaten, aber zuerst muss das für die eigenen Marktteilnehmer geschehen und dann erst für die anderen."

Mit 1200 aktiven Institutionen sei der russische Markt auch nicht zu sehr zersplittert, betont Tosunyan. "Jeder, der in Russland eine Finanzdienstleistung anbietet, nennt sich eine Bank." Die Zahlen seien mit jenen in Westeuropa daher nicht vergleichbar.

Vorwürfe, dass viele russische Banken in Geldwäsche involviert seien, beruhten auf Informationen aus den frühen neunziger Jahren. Tosunyan: "Wir haben eine effektive Finanzmarktaufsicht. Sie hat erfolgreich die Branche von Personen gesäubert, die berechtigterweise solche Verdachtsmomente ausgelöst haben." Auch die enge Verquickung von Industrie und Banken sei kein Indiz für Geldwäsche.

"Keine Willkür"

Die Großbanken mit staatlicher Mehrheit wie Sberbank oder Vneshtorg-Bank würden selbständig agieren und seien keiner politischen Willkür ausgesetzt. "Die Banken müssen sich im Markt gegen sehr starke Konkurrenz behaupten", sagt der Bankenchef. Privatisierungen seien zwar möglich, aber "das darf nicht überstürzt passieren." (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.6.2007)

  • Garegin Tosunyan, Spitzenvertreter russischer Banken, nahm am GUS-Bankenforum in Wien teil.
    foto: standard/fischer

    Garegin Tosunyan, Spitzenvertreter russischer Banken, nahm am GUS-Bankenforum in Wien teil.

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