Bayrisches Weizen-Ale

6. September 2007, 14:02
4 Postings

Brauerei: Siebensternbräu
Braumeister: Vladko Sedmak
Typ: American Hefeweizen
Alkohol: 4,9 % ABV

Es gibt Bierstile, die aus der Not geboren wurden.Etwa, weil die eigentlich gewünschte Malzsorte nicht zur Hand war oder das Wasser eine andere als die erwartete Qualität hatte - auch das Pilsner Bier, das Josef Groll 1842 erfunden hat, war ursprünglich als ein "bayrisches" Bier gedacht, was zu jener Zeit ein untergäriges Braunbier bedeutet hat. Andere Bierstile haben sich zufällig ergeben, weil man nicht den richtigen Hefestamm zur Hand hatte. Das trifft etwa auf viele kleine US-Brauereien zu, die sich in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren Rezepte von bayerischen Weizenbieren beschafft haben - Malze und Hopfen waren ganz gut aufzutreiben, nur die originalen Weissbierhefen, die die typischen Bananen- und Gewürznelkenaromen ins bayerische Weizenbier bringen, hat man damals eher schwer bekommen. So entstand in den kleinen neuen Brauereien der USA ein neuer Bierstil: "American Hefeweizen" ist ein nach bayerischem Rezept gebrautes Weizenbier, das mit einer Ale-Hefe vergoren wird. Auch diese Hefen sind obergärig, sie haben aber ein anderes Aromaprofil und typischerweise kaum Nelken- oder Bananenaromen. In Europa, wo man ja weiß, wie "echtes" (also im bayerischen Stil hergestelltes) Hefeweizen sein soll, hat das nie eine Rolle gespielt - bis vor gut zehn Jahren die Brauerei Hopf in Miesbach mit ihrem Red Weizen Ale einmal den Spieß umgedreht hat: Bayerisches Weizenbier mit einer typischen Ale-Hefe vergoren, das war eine echte Innovation. Etwas ganz ähnliches hat nun das Wiener Siebensternbräu gemacht:Dort gibt es praktisch in jedem Sommer ein Weizenbier - und Braumeister Vladko Sedmak hat heuer dieses Bier mit einer englischen Ale-Hefe (dem als London Ale Yeast III mit der Nummer 1318 katalogisierten Stamm, der ähnlich oder identisch dem Stamm von Boddingtons in Manchester sein soll) vergoren. Herausgekommen ist ein dunkel bernsteinfarbenes Bier mit einer leicht fruchtigen, an reife Birne erinnernden Nase, einem trockenen, leicht säuerlich-erfrischenden Antrunk und einer leichten Bittere im Nachtrunk. Insgesamt nicht zu viel Körper - vor allem aber deutlich weniger Kohlensäure als in einem klassichschen bayerischen Weissbier. (cs)
  • Frisch im Siebenstern.
    foto: conrad seidl

    Frisch im Siebenstern.

Share if you care.