
Mitbegründer des Austropop: Mit Georg Danzer geht ein wesentliches Kapitel der österreichischen Musikgeschichte zu Ende.
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Der große wie großartige Austropop-Gründervater Georg Danzer bei seinem letzten, berührenden Konzert am 17. April dieses Jahres in der Stadthalle.
Die Rede ist hier von – so wie Georg Danzer selbst – aus einem Gemeindebau des Gaudenzdorfer Gürtels stammenden Blumen des Bösen. Immer mit gehörig verschlurftem Schmäh gedüngt, aber gefährlich! Leicht grantelnd, oft an der Kippe von raunzigem Einverständnis und sich selbst verklärendem Klischee vorgetragen. Der Tschik mit seinem kaputten Grummelgesang nahm damals nicht nur einen Tom Waits um einige Jahre vorweg. Gerade auch hinsichtlich des Danzerschen Rollenspiels, für das er die Perspektive eines traurigen, desillusionierten Wiener Sandlers wählte. Das Lied läutete damals die klassische Zeit des Austropop ein.
An dessen frühe und über die Jahre von zahllosen Nachahmern oder Schülern (von Sigi Maron bis zu Reinhard Fendrich) adaptierte, allerdings zunehmend als Schablone gedeutete Höhepunkte erinnert man sich durch frühe Danzer-Alben wie Der Tschik, Der Tätowierer Und Die Mondprinzessin, Ollas Leiwaund oder Jö Schau. Inklusive späterer Klassiker wie Geh In Oasch, Du Mi A, Der Wixer-Blues, De Kinett‘n Wo I Schlof, A Gulasch Und A Seidl Bier, Hupf In Gatsch oder War Das Etwa Haschisch? bis hin zu in RAF-Zeiten höchst umstrittenen Liedern wie Mach Dich Nicht Mit Gewalt Kaputt für – oder Wir Werden Alle Überwacht gegen „den Staat“.
Wir hören illusionslose wie präzise, oft phlegmatisch und selbstmitleidig, meist aber aufsässig und latent-aggressiv gedeutete Alltagsbeobachtungen aus dem Milieu der kleinen bis größeren, aber letztlich immer mit Klo auf dem Gang geschlagenen Wiener „Kleinbürger“ und Vorstadtbewohner. Diese wurden in ihrem künstlerischen Ansatz mit breitem ostösterreichischen Idiom zumindest musikalisch immer mit höhnisch durch die Nase gesungenen Texten in die Nähe seines übermächtigen Vorbilds Bob Dylan gebracht; als dieser Mitte der 60er-Jahre „elektrisch“ wurde. Seinen kommerziellen Höhepunkt erreichte der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Danzer Anfang der 80er-Jahre. Nach einem Umzug nach Deutschland wechselte er ins hochdeutsche Fach. Er engagierte sich mit Titeln wie Frieden in der politisch gedeuteten Alternativbewegung, kehrte allerdings nach persönlichen und familiären Krisen und Hits wie Weiße Pferde 1990 mit dem Album Wieder In Wien in seine Heimat zurück. 2001 veröffentlichte Danzer die grandiose wie grandios versaute Songsammlung 13 Schmutzige Lieder, nachdem ihm trotz unermüdlicher Musikproduktion und einem immer noch mitunter beängstigenden Naheverhältnis zur „Stimme des Volkes“ nach einer längeren Zeit im medialen Aus zwei Jahre zuvor gemeinsam mit Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich mit dem zugunsten der Obdachlosenhilfe initiierten Projekt Austria 3 endlich wieder Erfolg zuteil wurde.
Im April 2000 wurde Georg Danzer schließlich auch als Obmann der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch aktiv. Und er näherte sich mit Alben wie Von Scheibbs Bis Nebraska (2005) und zuletzt Träumer (2006) obendrein wieder seinen besten Zeiten während der 70er-Jahre.
Nachdem 2006 beim jahrzehntelang passionierten Raucher Georg Danzer Lungenkrebs diagnostiziert wurde, nahm er mit ebenso großer Bestimmtheit wie Gelassenheit den Kampf gegen die Krankheit auf. Zuletzt sah man ihn, der aus seinen eigenen Befindlichkeiten und Wehwehchen nie große Umstände machte, Mitte April zwar von den Chemotherapien geschwächt, aber souverän auf der Bühne der Wiener Stadthalle im Kreise seiner Freunde Ambros, Fendrich, Marianne Mendt oder Willi Resetarits bei einem krankheitsbedingt zum 60. Geburtstag im Oktober 2006 nachgereichten, berührenden Konzert.
Die Luft herein! Wie es seine Art war, klang der Abend alles andere als bitter aus. A Mensch Möcht I Bleiben und Lass Mi Amoi No D‘Sunn Aufgeh Segn, zwei der schönsten, die Fenster aufreißenden und die Luft hereinlassenden Lieder, die je in diesem engen, muffigen Land geschrieben wurden, waren da zu hören.
Georg Danzer ist am Donnerstag im Kreise seiner Familie dem Krebs erlegen. Als zentraler Komponist der heimischen Popmusik hinterlässt er an die 400 aus seiner Feder stammende Lieder, nicht wenige davon Klassiker. Sie ließen sich nie von Zeitläuften oder Moden beirren, hielten stets mit großer Bestimmtheit und wohl auch oft mit Galgenhumor an einem fest. Musik darf mitunter ruhig auch einmal ein wenig sentimental und ein bisschen wehleidig werden. Eines aber geht nicht länger: Spätestens seit den Liedern von Georg Danzer wird es ohne Würde, Mut, schwarzen, aber menschenfreundlichen Humor und unbeirrbare persönliche Integrität beim Singen sicher nicht mehr gehen. (Christian Schachinger/ DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.06.2007)
ich bin heute, ein Jahr nachdem der Schurl gegangen ist, noch trauriger als damals. Ich glaub, ich hab's erst jetzt, nach einem Jahr realisiert.
Eigentlich hätte ich ihm nur einmal noch gerne gesagt, wie wichtig seine Lieder für mich waren (sind)...
Georg Danzer hat einmal in einem Lied gesungen, dass er seinen Optimismus, dass man mit Liedern die Welt ändern kann verloren hat. Aber einzelne Menschen zu ändern ist alles, was man sich wünschen kann. Und das hat er sicher bei vielen getan. Erst vor kurzem hab ich meiner Freundin "Weil du nur so bist" vorgespielt und wir waren beide in diesem Moment verloren. Danke für großartige Texte und Ideen, die mich mein Leben lang begleiten werden!
Derzeit (seit gestern) jede Menge Viren und Trojaner im Gnutella-Netz, die sich als Danzer-Lieder tarnen. Die Gemeinsamkeiten:
Es sind lediglich wma-Dateien. MP3 ist weiterhin harmlos.
Ich empfehle, vorerst jede Form der Lizenzierung per Windows Media Player zu verweigern. Dieses Zeugs gaukelt dies bloß vor, um eine Admin-Genehmigung für die Installation zu erschwindeln.
Empfohlene Vorgehensweise:
1.: Alle wma-Dateien löschen
2.: Sämtliche Partitionen mit Microsoft-Betriebssystemen formatieren
Hoffe, gedient zu haben.
ist dieses großen österreichischen Künstlers wirklich nicht würdig.
Ich habe selten eine Webseite gesehen, die ein Verlag für einen Künstler so lieblos gestaltet hat!
Wenigstens posthum sollte sich dort jemand finden, der entweder das Gesamtwerk in adäquater Weise aufbereitet und der Nachwelt im Medium Internet zur Verfügung stellt oder es einem internet-erfahrenen Fan erlauben, das selbst auf der Domain tun zu dürfen.
(Sorry, Kollegen vom Phoebus Verlag. Vielleicht könnt ihr es wirklich nicht besser, aber geht bitte in euch und lasst euch etwas Besseres einfallen als das, was dort derzeit zu sehen ist !)
Ich würde mich auch freuen, wenn seitens der Stadt Wien eine Initiative in diese Richtung erfolgen würde.
(-> fortgesetzt)
Ich bezweifle, dass der von uns so geschätzte Verstorbene besonderen Wert auf die von uns so geschätzte virtuelle Welt der Computer und des Internet gelegt hat. Die Homepage soll bleiben, wie sie ist, eventuell mit einer Instandsetzung der Videolinks und so.
Wenn du eine interaktive Hightech-Multiuser-Homepage willst, könntest du zB ein Fanportal errichten.
war vielleicht auch wirklich so.Ich kann dazu klarer Weise keine Aussage tätigen. Aber Danzer wollte doch mit seinen Liedern den Menschen etwas sagen; nicht "belehren" zwar, aber doch etwas ausdrücken, also nicht (nur) für ihn allein singen.
(Falls das nicht so gewesen sein sollte, nehme ich es auch zur Kenntnis, ich glaube es halt.)
Und wenn das so war/ist, dann müsste man doch sein Erbe auch für die Nachwelt - der er nicht mehr selbst mit seiner unverwechselbaren Erscheinung begegnen kann - sein Werk (und Leben!) im Web geeignet aufbereiten. Klar,Webshop oder Amazon-Commercials wären nicht so in seinem Sinn.
Wünschen werde ich mir das doch wohl dürfen, nicht ?
Georg Danzer war schließlich eines der berühmten Kinder dieser Stadt, der die unverwechselbare Stimmung, die Ängste, die Freuden, das Dunkle, das Verborgene, das Gute wie das Schlechte der Menschen hier in solch schonungsloser, aber nie zynischer Offenheit in seine Texte verpacken konnte, dass Wien damit schon (fast) wieder sympathisch erschien.
Ich denke, er hat damit in jeder Hinsicht viel für Wien getan.
Danke jedenfalls an Walter Gröbchen für seinen berührenden Nachruf auf www.georgdanzer.at !
War mir ein Bedürfnis, diese Zeilen - gerade Danzer's Song "Große Dinge", einen seiner poetischsten Texte hörend, hier zu schreiben.
Danzer hat den Begriff des Austropop stets als hohle Chiffre abgelehnt. Er hat sich gegen diese Vereinnahmung gewehrt und ist sogar nach "Jö schau" nach Deutschland gegangen, um diesem "unser österreichischer Schurli" zu entkommen.
Ihn in den Untertiteln als Gründungsvater, in der Ansichtsache als Legende des selbigen zu bezeichen finde ich nicht sehr respektvoll.
Kränk di net Georg!
only the good die young!
RIP Schurl, unfassbar wie schnell das gegangen ist. Letzten Juli hab ich ihn noch auf der Burg Clam mit Austria 3 gesehen, und jetzt, nicht einmal ein Jahr später, müssen wir uns von ihm verabschieden! Keiner kann sich aussuchen, wann es vorbei ist, aber wenn man die Gelegenheit dazu bekommt, wie man dem Tod gegenübertritt. Ich bin überzeugt, dass der Schurl das mit seiner gewohnten Größe gemacht hat!
du hast mi jahrelang begleitet, kummer, not und gluecklich sein.
deine musi war welle auf der i manchmal g'rittn bin.
jetzt wosd weg bist, merk i erst
wie ollas 'zschnoe verschwinden tuat.
und drum wan i wia des letzte mal, als i die cassetten g'funden hab, die ich vor 15 jahren aufgenommen hab, und deine liada war'n da drauf ...
g'schamster
Große Dinge zu vollbringen woar mei allergrößter Wunsch
Große Dinge an die klane Buama g'laubn
Böse Drachen zu bezwingen, a Prinzessin zu befrein
Große Dinge zu vollbringen woar mei allergrößter Wunsch
Große Dinge an die klane Buama g'laubn
Mittlerweiln hot sie des ollas sozusagen relativiert
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Ein Lied, das ich vor ca. 10 Jahren zu meinem damals bevorstehenden 30er auf und ab gespielt habe - jetzt zum 40er wird es wieder rotieren.
Danke für die schönen Konzerte im Orpheum und im Metropol - und auf der Insel.
Die Medien wurden schon kurz nach Danzers Ableben
informiert, mit der Bitte die Todesnachricht erst am Freitag 15.00 nach dem Begräbnis zu veröffentlichen.
Das Schmierblattel Ö hat es natürlich nicht solange
ausgehalten. Nach dem dort die Meldung on-line ging, konnten sich auch der Standard nicht zurückhalten. Um rein formell die Abmachung einzuhalten, bezog man sich bis 15.00 auf die Ö-Meldung.
Burschen und Mädels vom Standard.at, habt ihr es wirklich notwendig mit diesem Schmierblatt auf solche Weise in Konkurrenz zu treten?
Viele andere seriöse Medien (z.b. Apa, ORF.at, Kurier)
haben sich sehr wohl an diese Abmachung gehalten.
P.S. es wäre sehr nett, wenn diese Posting auch erscheint.
..so gut darüber informiert sind, worüber die Medien unterrichtet wurden.
Nein. Wir - derStandard.at - wurden nicht unterrichtet. Und wären wir unterrichtet worden, wir hätten uns selbstverständlich daran gehalten.
Das haben wir bereits am Freitag im Forum klargestellt. Und nochmal: Es tut uns leid, dass wir dem Letzten Willen Georg Danzers nicht entsprochen haben.
mfg, derStandard.at/Kultur
am Freitag bin ich durch das schwere Gewitter entlang der A 1 nach Osten gefahren, als auf Ö3 die ersten Gedenksendungen liefen, ab ca. halb vier.
Der Himmel hat Rotz und Wasser geheult sozusagen.
Er war nicht der erste, aber der größte Austropopper, und das Metier Chanson hat er eigentlich auch voll belegen können.
Irgendwann gegen 7, ich war inzwischen südlich vom Wechsel, habens die neue Platte von der Pink gespielt ... Dear Mr. President... paßt in Wort und Musik auch zum Werk des viel zu früh Gegangenen.
da haben Sie sich aber ordentlich verfahren, wenn Sie auf der A1 Richtung Osten fahren und sich plötzlich südlich des Wechsels wieder finden..-))))
Ansonsten stimme ich Ihnen aber zu!
Bezüglich Ö3 finde ich dieses m.E. sensationsgeile Gesülze und die Sondersendungen peinlich, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Ö3 seit vielen Jahren weder Danzer (noch Ambros und Fendrich, etc) spielen....wenig glaubwürdig, finde ich!
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