LSE übernimmt Mailänder Börse

27. Juli 2007, 11:52
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Für 1,6 Milliarden Euro - Zahlung in Form eines Aktientauschs - Gruppe hätte Spitzenposition in Europa - noch vor Euronext

Mailand/London -Die Londoner Börse (LSE) hat die geplante Übernahme der Mailänder Börse für 1,6 Milliarden Euro in Form eines Aktientauschs bestätigt. Die Aktionäre der Mailänder Börse - Borsa Italiana - sollten für jeden Titel 4,9 LSE-Aktien erhalten, erklärten LSE und Mailänder Börse am Samstag. Das setzt den Wert der Mailänder Börse auf 1,6 Milliarden Euro fest. Der Gesamtwert der an beiden Finanzplätzen gelisteten Unternehmen beläuft sich einem Branchenverband zufolge auf 3,8 Billionen Euro. Damit wäre die Gruppe die Nummer eins in Europa noch vor Euronext. Die Fusion muss noch von den Aktionären beider Finanzplätze und von den Wettbewerbshütern gebilligt werden.

Die Borsa-Aktionäre hielten in Zukunft 28 Prozent des Kapitals der neuen Gruppe, erklärten die Börsen London und Mailand. Der Wert der Mailänder Börse von 1,6 Milliarden Euro ergebe sich aus dem Preis der LSE-Aktie und der Wechselkursrate vom 19. Juni. Zusammen hätten beide Börsen einen Wert von knapp 5,8 Milliarden Euro. Die Finanzplätze versprechen sich von ihrer Fusion bis zum Jahr 2010 jährliche Einsparungen von 29 Millionen Euro.

Grünes Licht

Am Freitag hatte der Aufsichtsrat der Borsa Italiana Börsenkreisen zufolge grünes Licht für die Übernahme gegeben und Börsenchef Massimo Capuano beauftragt, die Details des Zusammenschlusses auszuarbeiten. Die italienische Regierung begrüßte die geplante Übernahme bereits. Die offizielle Bestätigung durch die beiden Finanzplätze stand indes zunächst noch aus.

Der LSE-Aufsichtsrat sei überzeugt, "mehr als nur ausreichende Unterstützung seiner Aktionäre" für die Fusion zu haben, hieß es in der Erklärung. Ein LSE-Sprecher erläuterte, 50,1 Prozent der Aktionäre müssten dem Übernahmeplan zustimmen. Bereits im Vorfeld hatte allerdings die Citigroup-Bank gewarnt, der LSE werde es schwer fallen, sich die notwendige Aktionärsmehrheit für den Zusammenschluss zu sichern. Schließlich habe die Londoner Börse in den vergangenen zweieinhalb Jahre fünf Fusionsangebote ausgeschlagen, darunter zwei von der elektronischen US-Börse Nasdaq.

Unabhängigkeit

LSE-Chefin Clara Furse hatte lange Zeit entschieden auf die Unabhängigkeit ihres Finanzplatzes gesetzt. Zum Kurswechsel gezwungen wurde sie letztlich unter starkem Konkurrenzdruck - unter anderem durch den Zusammenschluss von NYSE und Euronext zur transatlantischen Superbörse NYSE Euronext. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hatte NYSE Euronext mit 1,5 Milliarden Euro eine ähnlich hohe Summe wie London für Mailand geboten.

Der Aufsichtsrat der fusionierten Finanzplätze soll sich künftig aus zwölf Mitgliedern - sieben von der LSE, fünf von der Borsa Italiana - zusammensetzen. LSE-Präsident Chris Gibson-Smith soll auch der neuen Gruppe vorstehen, mit Angelo Tantazzi, dem derzeitigen Borsa-Präsidenten, als Vize. Furse bliebe demnach auch nach dem Zusammenschluss Chefin mit Borsa-Chef Capuano als ihrem Stellvertreter. Die Aktivitäten beider Finanzplätze sollen auch in Zukunft von den Börsenaufsichten ihrer jeweiligen Standorte kontrolliert werden. (APA)

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