Firtasch auf Transparenzkurs

23. Juli 2007, 15:12
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Der ukrainische Großunternehmer will seine Aktiva angeblich in Österreich neu ordnen

Lange Zeit hatte es im Vorjahr gedauert, bis Raiffeisen Investment (RIAG) bekannt gab, für wen sie über die österreichische Centragas Holding die 50 Prozent-Anteile am höchst umstrittenen, in der Schweiz registrierten Gastransportkonsortium RosUkrEnergo (RUE) hält. Die zweiten 50 Prozent gehören übrigens dem russischen Gasmonopolisten Gasprom.

Hinter RUE, die nach dem spektakulären Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine den Transport des gesamten zentralasiatischen und russischen Gases in die Ukraine übertragen erhalten und im Vorjahr 7,1 Mrd. Dollar umsetzt hat, waren unter anderem Personen der Organisierten Kriminalität vermutet worden, was auch den österreichischen Bankenausschuss zu interessieren begann. Nachdem RIAG den ukrainischen Geschäftsmann Dmitri Firtasch als Begünstigten der Treuhandschaft genannt hatte, erklärte dieser den Grund der langen Anonymität. "Um ein gutes Geschäft zu machen und es zu halten, musste ich im Verborgenen bleiben."

Andere Zeiten

Nun haben sich die Zeiten offenbar geändert. Wie das russische Wirtschaftsblatt Wedomosti unter Berufung auf mit Firtasch bekannte Geschäftsleute berichtet, hat sich der Ukrainer für Transparenz entschieden und will seinen Schritt nächste Woche bekannt geben. Firtasch, gemäß Einstufungen unterschiedlicher Ratingzeitschriften zwischen 1,4 und 2,4 Milliarden Dollar reich, wolle seine von Schulden befreiten Aktiva, deren Rückgrat der RUE-Anteil und ein Viertel am ukrainischen Gasverteiler "Ukrgasenergo" ist, in eine neue Group of Dmitry Firtash (GDF) überführen. Dise soll in Wien registriert und an eine westliche Börse gebracht werden.

Zu Firtaschs Unternehmen gehören auch der mit RUE kooperierende ungarische Gas-trader Emfesz, Anteile im Chemie- und Metallurgiebereich, einige Kabel-TV-Kanäle, der Basketballclub "Kiew" und Immobilien in der Ukraine. Außerdem umfasst GDF die österreichische Chemieholding Ostchem und "Zangas", ihres Zeichens Generalunternehmer zum Bau von Gaspipelines in Turkmenien.

Die Zangas-Anteile hatte Firtasch von früheren Top-Managern der russischen Aluminiumhaie Oleg Deripaska und Michail Chernoy (Vorbesitzer der bulgarischen MobilTel, die 2005 über Martin Schlaff an die Telekom Austria ging) erworben. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.6.2007)

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