Skoceks Zeitlupe: Fingerspitzentod

5. Juli 2007, 16:00
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Der Fall des GAK ist auch ein politischer Skandal, vornehmlich der ÖVP - Aber auch die Bundesliga ist nicht frei von Schuld

Der GAK ist selber schuld daran, dass er keine Bundesliga-Lizenz mehr hat. Wer Konkurs macht, muss damit rechnen. Aber er wurde auch verführt, die Regierungspolitiker der Steiermark pamperten ihn viele Jahre lang mit Millionen, ohne die Verwendung von Steuergeldern zu kontrollieren. Insoferne ist der Fall des GAK auch ein politischer Skandal, vornehmlich der ÖVP.

Die Bundesliga ist schuld am Fall des GAK. Das Protestkomitee hat unter Vorsitz des Arbeitsrechtlers Walter Schrammel wieder ein merkwürdiges Urteil gefällt. Im Vorjahr gestand sie der wirtschaftlich scheintoten Admira die Lizenz aus formalen Gründen zu. Diesmal hat Schrammel einen wirtschaftlich konsolidierten Verein aus formalen Gründen ausgeschlossen. Hätte der GAK ein dem Haushaltsdurchschnitt der Red Zac Liga entsprechendes (gedecktes) Fantasiebudget vorgelegt, er hätte die Lizenz erhalten. So hat er sein Budget zu spät und gegen die Statuten von 2,2 auf 1,7 Millionen Euro reduziert, weil teure Kicker gegangen waren.

Hätte der GAK getrickst, wäre alles gut. Die Lizenzvorschriften sind freilich auch ein Lachakt, wenn sie sogar sinnvolle Budgetanpassungen verbieten. Wie zum Hohn überwies die Liga am Tag der Lizenzverweigerung 170.000 Euro an TV-Geld aus 2004, damals spielte Meister GAK im UEFA-Cup. Das Geld lagerte seit Monaten in der Liga, und der Masseverwalter wird sich wohl fragen, ob die Liga den Tatbestand der Gläubigerbevorzugung begangen hat.

Bis heute hat die Bundesliga keinen TV-Vertrag, aber die Vereine angewiesen, die Summe des Vorjahres ins Budget zu nehmen. Eigentlich müsste sie sich selber die Lizenz wegnehmen. Herr Schrammel und Kollegen mögen formal alles richtig abgewickelt haben. Mit totem Fingerspitzengefühl. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 22. Juni 2007)

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