Christine Lagarde

11. Juli 2007, 16:27
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Neue französische Wirtschafts- und Finanzministerin - Yoga und Schwimmen als Geheimrezept

Wer zuletzt lacht, lacht am besten: Christine Lagarde hat in den letzten Jahren viel Geduld benötigt. Lange war die groß gewachsene Frau mit den weißen Haaren "nur" eine kleine Vizeministerin für Außenhandel, und ihre Vorgesetzten machten ihr das Leben schwer. Ohne Vorbereitung in die Regierung katapultiert, wusste die vormalige Anwältin 2005 noch nicht, dass man in der Politik nicht immer die Wahrheit sagen darf.

Lagarde sagte aber, dass das französische Arbeitsrecht "oft eine Bremse" für Unternehmen ist. Das genügte, die Gewerkschaften vor den Kopf zu stoßen, und Premier Dominiqe de Villepin ließ seine Politnovizin im Regen stehen. Wirtschaftsminister Thierry Breton kanzelte sie ebenfalls öffentlich ab, wenn er gerade mal schlecht gelaunt war.

Christine Lagarde wahrte ihr Gleichgewicht aber mit Yoga und Schwimmen - die Vielreisende geht aus Prinzip nur in Hotels mit Schwimmbecken - und folgte eisern ihrer Devise: "Auf die Zähne beißen und lächeln." Heute sind Villepin und Breton in der Versenkung verschwunden - Lagarde hingegen ist der neue Star der französischen Regierung und Chefin des Superministeriums, das ihr ungehobelter Vorgesetzter einst kommandiert hatte.

Noch vor einer Woche hätte dies niemand für möglich gehalten. Die 1956 geborene Lagarde, Mutter von zwei Kindern, ist eine höchst untypische Politikerin. In der Normandie aufgewachsen und in der Jugend erfolgreiche Synchronschwimmerin, hatte sie nach dem Tod ihres Vaters als gerade 18-Jährige ein Stipendium in die USA erhalten. Dort bildete sie sich zu einer perfekt zweisprachigen Juristin aus und brachte es bis an die Spitze der Anwaltsgemeinschaft Baker McKenzie. Politik interessierte sie immer schon, aber die Aufnahme in die Pariser Eliteverwaltungsschule ENA schaffte sie nicht.

Es blieb ihr einziger beruflicher Misserfolg. Bekannt für ihre Kontakte in der internationalen Geschäftswelt, wurde sie 2005 Vize-Außenhandelsministerin. Dabei lernte sie nicht nur den politischen Knigge sehr schnell, sondern scheute sich auch nicht, die französischen Agrarinteressen bei der Welthandelsorganisation zu verteidigen. Deshalb wurde sie vor einem Monat Landwirtschaftsministerin, als die Rechte die Wahlen gewann. Ein neuer Vorgesetzter, Wirtschaftsminister Jean-Louis Borloo, lernte nicht so schnell wie sie und beging einen schweren Fehler, als er kurz vor den Wahlen von einer Steuererhöhung sprach.

Sarkozy fackelte nicht lang, schob ihn ins Umweltministerium ab - und betraute Lagarde mit der Führung des prestigereichsten, aber auch schwierigsten Ministeriums in Paris. Am Mittwoch fiel die graue Maus früherer Regierungen bei der ersten Kabinettsitzung mit einem schicken rosa Schal auf. (Stefan Brändle/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2007)

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