Elfi Eschke: "Bordell ist irgendwie lockerer" - als die "Besetzungscouch"

27. Juli 2007, 17:51
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In "Oben ohne" spielt sie eine aufmüpfige Ehefrau im Salzburger Zinshaus - Eschke im STANDARD- Interview über Strip, Drogen und Ärger über ORF-Programmierung

STANDARD: Wie ist der Titel "Oben ohne" zu verstehen?

Eschke: Weil oben im Moment die Wohnung frei ist.

STANDARD: Vielleicht auch, weil Elfi Eschke wieder "oben ohne" zu sehen sein wird?

Eschke: Es wird immer getan, als sei das weiß Gott was für ein Ereignis. Eigentlich sollten alle Frauen es als Unterstützung betrachten.

STANDARD: Wie waren denn die Reaktionen, wenn Sie wieder einmal Hüllen fallen ließen?

Eschke: Vom Publikum eigentlich immer positiv. Hingehauen haben meistens die Medien und da vor allem Journalistinnen. Das waren übrigens manchmal ausgerechnet die, die selber nicht die schönsten waren. Ich hab's nie kapiert, warum es da so überhaupt keine Frauensolidarität gab.

STANDARD: Dann ist der Strip ein Statement gegen den Schlankheitswahn?

Eschke: Ich glaube, jede Zweite, die "perfekt" aussieht, isst entweder nichts oder lässt sich absaugen. Es gibt Fotos von Demi Moore mit Orangenhaut. Wenig später hat sie Superbeine. Wahrscheinlich auch, weil sie bessere Chirurgen hat.

STANDARD: Oder man geht nach dem Essen auf die Toilette?

Eschke: Ich höre davon. Angeblich kann man auch mit Kokain das Hungergefühl unterdrücken. Nachdem ich das alles nicht mache, habe natürlich damit so meine Probleme.

STANDARD: Drogen kamen für Sie nie in Frage?

Eschke: Ich habe einen Sohn und fände es allein deshalb total scheiße. Seit fast einem Jahr rauche ich nicht mehr, und es fällt mir immer noch wahnsinnig schwer. Aber ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, ihn so einzuqualmen.

STANDARD: Sie spielen, wie auch bei "Oben ohne" vor allem unter der Regie Ihres Ehemannes Reinhard Schwabenitzky. Gibt's sonst keine interessanten Drehbücher?

Eschke: Die Angebote sind mies. In Deutschland besetzen nur noch Redakteure, die haben natürlich keine Ahnung. Da spielt viel hinein: Vielleicht möchte man mit derjenigen gerne ins Bett huschen. Es gibt da sicher Besetzungscouchen. Ich denke, ein Bordell ist irgendwie lockerer.

STANDARD: Sie haben nicht nur als gewitzte Gabi Neuhammer in "Büro, Büro" eine strahlende Vergangenheit, sondern auch als prüde Polly in "Eis am Stiel". Peinlich?

Eschke: Wieso denn? Ich bin stolz darauf, wir haben einen guten Film gedreht! Aber die Dreharbeiten waren anstrengend, in Israel hatte es vierzig Grad Hitze.

STANDARD: Eine sehr enge Verbindung scheinen Sie zu "tv-media" zu haben. In eineinhalb Jahren kommen Sie siebzehnmal vor. Ein Verehrer?

Eschke: Kann ich mir nicht vorstellen. Ottfried Fischer war lange Zeit jede Woche drin. Das fiel auf.

STANDARD: Nächste Projekte?

Eschke: Wir haben drei Monate gedreht, dazu spiele ich seit Oktober Theater, so dass es zunächst gut ist, vorerst nichts zu machen. Ich muss auch sagen, dass ich nicht ganz glücklich mit dem Sendetermin des ORF zu Beginn des Sommers bin. Man hätte die Serie unheimlich gut in der Vorweihnachtszeit machen können. Ich verstehe nicht, warum man das so verpulvert und gleichzeitig immer von Marktanteilen redet. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2007)

Zur Person
"Intrigen" veranlassten Elfi Eschke (57) den "Kaisermühlen Blues" vorzeitig zu verlassen. Heute will sie dazu "gar nichts mehr sagen". Mit ihrem Mann und Sohn Lucas lebt sie in Salzburg. "Oben ohne" startet kommenden Montag um 20.15 Uhr, ORF 2.
  • Elfi Eschke.
    foto: orf/petro domenigg

    Elfi Eschke.

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