"Den Berg neu bespielen"

21. Juni 2007, 18:37
posten

Zukunftsforscher sieht mehr Chancen für Sommertourismus

Während der Wintertourismus mangels Schneesicherheit einer ungewissen Zukunft entgegensieht, werden dem Sonnertourismus enorme Chancen zugebilligt. Eine Menge Gäste würden es von Süden nach Norden ziehen, meint der Wiener Zukunftsforscher Andreas Reiter. "Wenn das Mittelmeer warm wie Badewasser ist, wird ein dann nicht mehr ganz so kühler See im Salzkammergut gerne aufgesucht", sagt er.

Allerdings fehle es noch an den entsprechenden Produkten, um zusätzlich zum österreichischen Gast, der statt an die Costa Brava in die österreichischen Alpen fährt, auch Gäste etwa aus Spanien oder dem arabischen Raum anzusprechen. "Der Berg muss neu bespielt werden", sagt er in der typischen Marketingsprache der Touristiker.

Das heißt, die strikte Trennung in Winter- und Sommergeschäft wird mit höheren Temperaturen obsolet. Angebote, die rund ums Jahr wahrgenommen werden können, müssen entwickelt werden. Idealerweise haben diese Angebote etwas mit dem Wasserreichtum Österreichs zu tun, so Reiter, beschränken sich aber nicht nur auf Thermenlandschaften.

Wichtig sei dabei, nachhaltige, ökologisch hochwertige Produkte zu entwickeln. "Der Gast wird künftig noch sensibler werden, was den Umgang mit der Natur betrifft", so Reiter.

Eine der Möglichkeiten dabei ist, dass die Tourismusbetriebe oder ganze Regionen mit den Agenturen zusammenarbeiten, die sich darauf spezialisiert haben, Kompensationsmaßnahmen für den CO2-Bedarf zu entwickeln, der etwa bei der Anreise eines Gasts zum Urlaubsort anfällt. Dabei wird hochgerechnet, wie viel Treibhausgase bei einer Anreise anfallen. Pro tausend Kilometer zahlt der nachhaltig denkende Reisende rund 6,50 Euro an Agenturen wie MyClimate. Die Agentur unterstützt damit Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern, etwa Aufforstungsprogramme oder den Bau von Windenergieanlagen. "Gemeinden sollten dem Gast vorschlagen, solche Projekte doch mitzufinanzieren", erklärt Reiter. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. Juni 2007)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.