Lob und Skepsis zu Sarkozys Minderheitenpolitik

3. Juli 2007, 15:14
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Herausgeberin der Zeitschrift "Africa International": Macht mehr als die Sozialisten in den vergangenen Jahren

Paris/Wien ? Selbst wenn es nur um Symbolik geht: Die Politik von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, junge Frauen mit Migrationshintergrund in wichtige Regierungsposten zu hieven, findet selbst bei seinen politischen Gegnern gefallen. "Sarkozy macht allemal mehr, als die Sozialisten in den vergangenen Jahren für Minderheiten getan haben", sagt die Französin Marie-Roger Biloa, Herausgeberin der Zeitschrift Africa International.

Biloa war im Mai zu Gast beim Standard-Montagsgespräch in Wien und diskutierte unter der Leitung von Chefredakteur Gerfried Sperl über Frankreichs Zukunft unter Sarkozy. Der Präsident ernannte am Mittwoch die gebürtige Senegalesin Rama Yade zur Staatssekretärin für auswärtige Angelegenheiten und Menschenrechte. Zuvor wurde Rachida Dati, deren Eltern aus dem Maghreb eingewandert waren, als Justizministern eingesetzt.

"Das ist wichtig, weil dadurch die Diversität unserer Gesellschaft endlich sichtbar gemacht wird", sagt Biloa. Frankreichs Sozialisten dagegen hätten im Wahlkampf viel von Integration gesprochen. Ihre schwarzafrikanischen Kandidaten hätten aber in Wahlkreisen antreten müssen, wo sie keine Chancen hatten. So habe es auf der Liste der Sozialisten nur eine neue Schwarzafrikanerin ins Parlament geschafft.

Durch seine Ernennungspolitik könne Sarkozy allerdings in den Augen der Öffentlichkeit immun gegen den Vorwurf werden, rassistische Politik zu betreiben. "Das wäre gefährlich, da hängt das Damoklesschwert über uns", sagt Biloa. So habe der neue Minister für nationale Identität und Migration, Brice Hortefeux, bereits angekündigt, künftig jährlich 25.000 statt bisher nur 2.000 Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung abzuschieben. "Wie soll das gehen, wenn nicht mit permanenten Kontrollen und Überwachung?" (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2007)

  • Marie-Roger Biloa: Ernennungen könnten Sarkozy immun machen.
    foto: standard/hendrich

    Marie-Roger Biloa: Ernennungen könnten Sarkozy immun machen.

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