ATV: Potenzielle Interessenten geben sich zurückhaltend

4. Juli 2007, 12:04
9 Postings

"Kein Kommentar" bei ProSiebenSat.1, RTL und CME - Hauptinteressenten sollen Eigentümern Ende Juni präsentiert werden

Der Eigentümerwechsel beim Privatsender ATV rückt näher. Bis Freitag nimmt die Investmentbank Rothschild noch Angebote für den 43-Prozent-Anteil der Bawag entgegen. Auf einen Rundruf reagierten die potenziellen Bieter zurückhaltend. Weder die KKR und Permira gehörende ProSiebenSat.1-Gruppe noch RTL wollten die Causa kommentieren. "Zu Spekulationen sagen wir nichts", hieß es unisono aus München und Luxemburg. Die RTL Group, wo der ehemalige ORF-Chef Gerhard Zeiler die Geschäfte führt und die in etlichen europäischen Staaten mit Sendern vertreten ist, soll schon 2005 mit ATV-Mehrheitsgesellschafter Herbert Kloiber eine Übernahme des Senders verhandelt haben, aus der nichts wurde. Nun soll RTL ein Angebot zumindest geprüft haben. KKR und Permira arbeiten rund um ProSiebenSat.1 und die niederländisch-skandinavische SBS ebenfalls am Aufbau einer europäischen Senderkette.

Synergieeffekte

Bei einer ATV-Übernahme durch einen TV-Konzern könnten sich jedenfalls etliche Synergieeffekte ergeben, heißt es in Branchenkreisen. ProSiebenSat.1 und RTL könnten etwa beim Kauf großer Sende- und Lizenzrechte die Österreich-Rechte gleich relativ kostengünstig miterstehen, in einzelnen Fällen ist das schon jetzt der Fall. Und in Sachen Werbezeitenvermarktung sind ProSiebenSat.1 und RTL schon seit Jahren mit eigenen Österreich-Werbefenstern aktiv. Von beiden Senderketten war in den vergangenen Jahren zwar wegen der Marktdominanz des ORF immer wieder Skepsis im Zusammenhang mit Privat-TV in Österreich zu hören, die jüngste Entwicklung mit einem durch Digitalisierung und Quotenrückgänge angeschlagenen ORF könnte den Appetit der beiden großen Privat-TV-Ketten allerdings etwas angeregt haben.

Ein weiterer möglicher Player im Rennen um ATV ist die Central European Enterprises. Bei der CME handelt es sich um den Medienkonzern des US-Unternehmers und ehemaligen US-Botschafters in Wien, Ronald Lauder. ATV-Hauptgesellschafter Kloiber sitzt in der CME im Aufsichtsrat. "Uns ist selbstverständlich bekannt, dass Anteile von ATV zum Verkauf stehen. Allerdings wäre eine solche Investition außerhalb unseres Kernbereichs, der in Osteuropa liegt, und damit ein Abgang unserer bisherigen Strategie", hieß es dazu aus der englischen CME-Niederlassung. Auf die Frage, ob der Konzern dennoch ein Angebot legen werde, kam die bekannte Antwort: "Kein Kommentar."

Unterschiedlich sind die Signale, die von Telekom Austria und Novomatic kommen. Während Telekom-Boss Boris Nemsic in verschiedenen Medien klarstellte, dass eine Medienbeteiligung für den Konzern nicht in Frage käme, ließ sich Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt alle Türen offen. Klar ist lediglich, dass eine kolportierte Umwandlung in einen Wettkanal wegen der Sendelizenzbedingungen nicht in Frage kommt. ATV ist von der Medienbehörde als Vollprogramm zugelassen worden, ein Abgehen davon hätte wohl den Entzug der Lizenz zur Folge.

Andere Spekulationen sehen Kloiber selbst als Käufer der BAWAG-Anteile. Der Münchner Filmhändler mit Wiener Wurzeln hat ein Vorkaufsrecht und könnte ATV demnach zunächst zur Gänze und zu günstigen Konditionen übernehmen, um dann den Sender mit entsprechender Marge und lukrativem Programmzuliefervertrag zu verkaufen. Ein neuer Gesellschafter braucht in jedem Fall die Zustimmung Kloibers. Die mit dem Verkauf betraute Londoner Investmentbank Rothschild wird die Hauptinteressenten den aktuellen Eigentümern Ende Juni präsentieren. (APA)

Share if you care.