HPV-Impfung für alle zwischen neun und 15 Jahren

17. Juli 2007, 19:22
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Österreichische Krebshilfe für breitflächige Immunisierung - Ministerin Kdolsky befürchtet Rückgang der Abstrichuntersuchungen

Wien - Mit der Impfung gegen das Human Papilloma Virus (HPV) könnten rund drei Viertel der Gebärmutterhalskarzinome (Zervix-Karzinome) verhindert werden. In Österreich gibt es dazu seit Monaten Diskussionen zu der Frage, ob man die kostenintensive Impfung (Regelpreis rund 600 Euro für die Vakzine allein) über die öffentliche Hand zur Verfügung stellen sollte. In einer mit dem Gesundheitsministerium akkordierten Stellungnahme spricht sich die Österreichische Krebshilfe dafür aus. Ressortchefin Andrea Kdolsky ist prinzipiell dafür, aber vorsichtig. "Nach derzeit vorliegenden Untersuchungen ist die HPV-Impfung ein wirkungsvolles Instrument, um eine von mehreren Ursachen für Gebärmutterhalskrebs zu bekämpfen", erklärte sie dazu am Donnerstag in einer Aussendung. Sie sieht offenbar noch etliche Hürden bei der Verwirklichung des Projekts.

"Nach derzeit vorliegenden Untersuchungen ist die HPV-Impfung eine sehr gute Möglichkeit, um eine von mehreren, für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlichen Ursachen zu bekämpfen. Die HPV Impfung schützt wirkungsvoll vor HPV Stämme 6,11,16 und 18 bedingten Erkrankungen. Dies bedeutet Schutz vor ca. 75 Prozent der Gebärmutterhalskarzinome und deren Vorstufen sowie auffälliger Krebsabstriche", schrieb jetzt der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda.

Warnung vor Zwei-Klassen-Medizin

In Österreich sterben pro Jahr rund 180 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Es gibt etwa 5.000 Eingriffe wegen Vorstufen zu Karzinomen. Ein Großteil dieses Leids ließe sich durch die Impfung ersparen. Der Vorsitzende der Trägerkonferenz der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Franz Bittner, hat in diesem Zusammenhang bereits vor einer Zwei-Klassen-Medizin gewarnt.

Nicht ausschließliche Maßnahme

Doch Impfung ist kein Ersatz für die jährliche Krebsabstrichuntersuchung der Frau ab dem 20. Lebensjahr, da der Impfstoff gegen ca. 25 Prozent der Krebs verursachenden Viren nicht wirkt. Die Österreichische Krebshilfe: "Derzeit führt leider nur ein Drittel der über 20-jährigen Frauen diese Untersuchung jährlich durch, obwohl dieser Krebs, im Frühstadium erkannt, zu 100 Prozent heilbar ist. Auch geimpfte Mädchen und Frauen müssen daher an einer qualitätsgesicherten Krebsfrüherkennung teilnehmen."

Die Schlussfolgerung: "Die österreichische Krebshilfe empfiehlt daher die möglichst lückenlose HPV Impfung aller Jugendlichen zwischen neun und 15 Jahren in Österreich." Abhängen würde dies von der Bereitschaft der Pharmaindustrie zu einer Kostenreduktion. Es müsste für die Finanzierung aber auch mit den Bundesländern verhandelt werden. Dann könnte die Immunisierung ins Impfprogramm aufgenommen werden.

Kdolsky-Bedenken

Auch Kdoslky betonte, dass die HPV-Impfung alleinig nicht vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Deshalb berge die Aufnahme der HPV-Impfung in das Impfkonzept ohne ein begleitendes Präventionskonzept somit die Gefahr, dass künftig HPV-geimpfte Frauen die jährliche Vorsorgeuntersuchung nicht mehr in Anspruch nehmen und dadurch die Zahl der Gebärmutterhalskrebs-Fälle sogar steige statt abzunehmen, so Kdolsky weiter. Es gebe auch immer mehr kritische Stimmen zu der Impfung.

Die Ressortchefin: "Als Gesundheitsministerin muss ich gerade bei der Prävention Entscheidungen treffen, deren Effekte erst Jahre später messbar sind. Wirksamkeit und Sicherheit neuer Produkte haben deshalb für mich oberste Priorität, doch bis dato gibt es über den HPV-Impfstoff keine evidenzbasierten Daten und Langzeitstudien." Es sei nicht auch nicht bekannt, wie lange die Immunisierung wirke.

Bei den in der Vakzine verwendeten Antigenen sprach die Ressortchefin und Ärztin von "Retro-Viren". Es handelt sich dabei allerdings um gentechnisch erzeugte leere Virushüllen, welche dem Immunsystem das echte Virus vortäuschen. Retroviren sind in der Vakzine nicht enthalten.

Trotzdem könnte es offenbar zu einer Aktion kommen. Die Ministerin: "Derzeit führen wir intensive Gespräche mit Prof. Dr. Paul Sevelda von der Österreichischen Krebshilfe sowie den Verantwortlichen in jenen Bundesländern, welche die HPV-Impfung bereits finanziell unterstützen. So läuft seit Mai 2007 ein Pilotprojekt in Niederösterreich, dessen Evaluierungsergebnisse für eine mögliche Übernahme ins nationale Impfprogramm berücksichtigt werden."

Kosten überschätzt?

Die Aufnahme der Impfung hänge aber auch von den budgetären Möglichkeiten ab. Bund Länder und Sozialversicherung sollten eingebunden werden. Im Rahmen der Finanzausgleichsverhandlungen werde es Entscheidungen geben. Dies sei für den kommenden Herbst zu erwarten. Derzeit werden im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfprogrammes pro Jahr rund 37 Mio. Euro aufgewendet. Im Jahr 2007 würden diese Kosten durch die Aufnahme der Immunisierung gegen die Rotaviren und Pneumokokken (diese waren allerdings auch schon bisher für "Risikokinder" enthalten) um 22 Mio. Euro steigen. Die Durchimpfung eines Geburtsjahrganges gegen HPV würde 25,5 Mio. Euro kosten.

Letzteres wird von dem bisherigen einzigen Hersteller der Vakzine heftig bestritten. Laut diesem würde die Durchimpfung von 85 Prozent der Mädchen und 50 Prozent der Buben 11,88 in Österreich Mio. Euro kosten. (APA)

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