Topmanager verdienen immer mehr

29. Juli 2007, 18:33
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Wer einen absoluten Spitzenwert auf seinem Gehaltszettel sehen will, sollte Vorstandschef eines großen hei­mischen Baukonzerns werden

Wien - "Sie können in Österreich Leute zu allem Möglichen befragen, aber niemals zu ihrem Gehalt", sagte der Bundesvorsitzende des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF), Paul Jankowitsch, am Donnerstag bei der Präsentation der jüngsten Manager-Gehaltserhebung, die dessen ungeachtet seit 25 Jahren erfolgreich durchgeführt wird. Das Ergebnis: Topmanager verdienen immer mehr - auch kaufkraftbereinigt um die Hälfte mehr als noch vor 25 Jahren.

Inflationsbereinigt sind die Jahresgesamteinkommen auf der ersten Führungsebene seit 1982 um 52 Prozent auf durchschnittlich 174.830 Euro brutto gestiegen, auf der zweiten Ebene um real 12 Prozent. Die Gehälter auf der dritten Führungsebene hingegen stagnierten in den vergangenen 25 Jahren und lagen 2006 bei durchschnittlich 110.480 Euro.

Gehaltsschub durch Osterweiterung

Wer einen absoluten Spitzenwert auf seinem Gehaltszettel sehen will, sollte Vorstandschef eines großen österreichischen Baukonzerns werden. Denn die Osterweiterung hat vor allem in der Baubranche für Gehaltsschübe in den Vorstandsetagen gesorgt: Das durchschnittliche Jahresgesamteinkommen des Managements beträgt dort 170.870 Euro. Bei den Manager-Salären hatte zuvor schon der EU-Beitritt Österreichs "zum deutlichsten Anstieg überhaupt in der Geschichte" geführt, berichtete der Studienautor und Geschäftsführer von Triconsult, Felix Josef.

"Der Umfang an Verantwortung ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen", erklärte Jankowitsch. Jede Führungskraft der ersten Ebene sei im Schnitt für 59 Mio. Euro Budget verantwortlich. 2005 seien es noch rund 50 Mio. Euro gewesen. Die österreichische Führungskraft ist meist für 80 Mitarbeiter unmittelbar verantwortlich, in der ersten Ebene sind es sogar mehr als 100 Mitarbeiter. Auch die Reisetätigkeit habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt, wobei dafür meist die dritte Führungsebene herangezogen wird. Die Manager der dritten Ebene werden noch sehr oft nach Kollektivvertrag bezahlt. Prämien gibt es da nicht in dem Ausmaß wie in der ersten Ebene.

Befristete Verträge

Vor 25 Jahren hatten die Manager noch sicherere Jobs - sie konnten damit rechnen, in ihrer Funktion in Pension gehen zu können. Heutige Verträge sind befristet und eine Verlängerung ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit. 92 Prozent der Befragten leisten im Durchschnitt 15 Überstunden pro Woche - in der ersten Führungsebene sind es rund 17 Stunden, in der dritten Ebene knapp zehn Stunden.

Bei den steigenden Einkommen der obersten Führungskräfte gewinnt der variable Gehaltsbestandteil markant an Bedeutung. Bei zwei von drei Führungskräften der ersten und der zweiten Ebene sei "ein wesentlicher Teil des Einkommens" erfolgsabhängig: 65 Prozent der Führungskräfte beziehen zusätzlich zum Grundgehalt variable leistungsbezogene Geldleistungen, die sich im Durchschnitt auf 44.000 Euro jährlich belaufen. Je größter das Unternehmen, desto stärker erfolgt die Bindung des Einkommens an den Unternehmenserfolg, geht aus der Einkommenerhebung 2006 hervor, an der sich 574 Manager beteiligten. 72 Prozent der Manager fahren ein Firmenauto, bevorzugt Audi (31 Prozent). Dahinter rangieren VW (17 Prozent), BMW (16 Prozent) sowie Mercedes und Volvo (mit je 7 Prozent).

Das Jahresgesamteinkommen umfasst sämtliche Geldleistungen des Unternehmens mit Ausnahme der reinen Spesenersätze. Das Jahresgrundgehalt umfasst das jährliche Bruttoeinkommen inklusive des 13. und 14. Monatsgehaltes, jedoch exklusive allfälliger Sonderzahlungen (d.s. Leistungs-/Erfolgstangenten, Prämien, Tantiemen, Bilanzgeld, Gratifikationen). In der ersten Führungsebene betrug das Jahresgrundgehalt 2006 128.200 Euro, in der zweiten Ebene 92.650 Euro und in der dritten Ebene 69.740 Euro.

Regionale Unterschiede

In Österreich gibt es bei den Managergehältern immer noch große regionale Unterschiede. Am meisten verdient wird in Wien mit einem durchschnittlichen Jahresgesamteinkommen von 169.800 Euro (bei einem Grundgehalt von 124.170 Euro). Dahinter rangieren Oberösterreich mit 148.730 Euro (119.290 Euro), gefolgt von Steiermark und Kärnten mit 127.930 Euro (98.579 Euro). (APA)

  • Vor 25 Jahren hatten die Manager noch sicherere Jobs - sie konnten damit rechnen, in ihrer Funktion in Pension gehen zu können. Heutige Verträge sind befristet und eine Verlängerung ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
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    Vor 25 Jahren hatten die Manager noch sicherere Jobs - sie konnten damit rechnen, in ihrer Funktion in Pension gehen zu können. Heutige Verträge sind befristet und eine Verlängerung ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

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