China und Indien in Salzburger Sommerszene

21. Juni 2007, 12:33
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Individuell und kollektiv: Fast ausschließlich Österreich- und Europapremieren - Schlaglicht der Kunst auf gesellschaftliche Zustände in den Wachstumsnationen der Welt

Salzburg - Die Salzburger Szene widmet ihr Sommerfestival heuer den Ländern China und Indien. Ab Donnerstag gibt es drei Wochen lang Tanz, Theater, Musik, Filme sowie bildende und performative Kunst aus den Wachstumsnationen der Welt. Fast alle Produktionen waren in Österreich, viele davon auch in Europa, noch nie zu sehen. "Wir wollen zeigen, auf welche Art sich die Künstler dieser Länder mit den Problemen ihrer Welten auseinander setzen", so Szene-Intendant Michael Stolhofer im APA-Gespräch über sein Konzept.

"Schon vor drei Jahren hat die Szene beschlossen, zum Thema Indien und China ein Festival zu gestalten, jetzt ist die Zeit dafür absolut reif", erläuterte Stolhofer und verwies auf verblüffende Gemeinsamkeiten und zugleich extreme Unterschiede zwischen China und Indien. "China ist der Inbegriff des Kollektivismus von Konfuzius bis Mao. Indien steht für Individualismus, dort ist jeder Einzelne verantwortlich für die Realität. Beiden geht es aber immer um das Konkrete, um klar definierte gesellschaftliche Anliegen, und nicht so sehr, wie in Europa, um das formal Abstrakte".

Stolhofer hat alle 130 Künstler und Künstlergruppen dieses Sommerfestivals auf seinen Reisen durch China und Indien selbst entdeckt. Ausgesucht und nach Salzburg engagiert hat er jene Künstler, deren Arbeiten dem realen Lebensgefühl dieser Länder am besten entsprechen.

Gemeinsam ist den indischen und chinesischen "Szene-Künstlern", dass es sie offiziell gar nicht gibt. "Zwar werden auch die chinesischen Künstler nicht mehr verfolgt, aber absolut nicht unterstützt. Die Kulturpolitik beider Länder verschweigt alles, was nicht folkloristisch ist und ein gutes Bild für den Tourismus abgibt", so Stolhofer.

Eine der zentralen Produktionen dieses Sommers stammt von der kürzlich verstorbenen, revolutionären Erneuerin des indischen Tanzes, Chandralekha. Ihre Choreografie über Sex, Sinnlichkeit und Spiritualität eröffnet das Festival im Republic (21. und 22. Juni). Danach kommt das chinesische Tanztheater "Living dance studio" mit zwei Stücken (25. und 27. Juni) und dann wieder Tanz aus Indien. Die laut Stolhofer wichtigste indische Gegenwarts-Choreografin, Padmini Chettur, ist eine "Schlüssel-Figur zum Verständnis des Feminismus in Indien, von ihr zeigen wir zwei Arbeiten" (1. Juli sowie 3. und 4. Juli).

Erstmals außerhalb Indiens wird Preethi Athreya zu sehen sein, und Sujata Goel wird ein Stück mit rund 20 Studenten der Tanzschule Sead erarbeiten (beide: 5. Juli). Arjun Raina setzt sich in seinem Theaterstück mit den in Indien extrem verbreiteten und die Identität manipulierenden Callcenters auseinander (28., 29. Juni). Um Zensur geht es im Tanztheater von Zuhe Niao (10. Juli), und Scham und Schande sind die Themen von Niaos zweitem Stück namens "The left cheek" (12. Juli).

Die Riege der Musiker führt das elfköpfige Sufi-Ensemble Nizami Bandhu aus Neu Delhi an (30. Juni), und Roysten Abel bringt mit 40 Leuten und vierstöckigem Bühnenbild ein Gesamtkunstwerk auf die Bühne (7., 8. Juli). Es folgen Partys mit indischen und chinesischen Top-DJ's, eine lange Reihe von Spielfilmen, die im Filmkulturzentrum Das Kino gezeigt werden, und die "Asian Dinner Stories", in denen die Eintrittskarte zu Kunst und stilechtem Essen in der Szene-Location "The Club" berechtigt. Performances, Film-Installationen, eine Transvestiten-Fotoperformance, eine Aktion auf der Nonntalerbrücke, eine actionreiche Neugestaltung der Fassade des Republic, eine Reihe von Ausstellungen in der neu umgebauten Kaverne in der Gstättengasse sowie ein "Ayurvedic Dinner at the Palace" in Schloss Frohnburg ergänzen das exotische Szeneprogramm 07. (APA)

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