Wenn Onlinedienste ihren Geist aufgeben

29. Juni 2007, 10:13
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Yahoo macht Millionen Kunden seines Fotodienstes zu Vollwaisen - Sicherheit im Digitalzeitalter: Das bedeutet stets über mehrere Kopien verfügen

Yahoo macht im Herbst Millionen Kunden seines Fotodienstes zu Vollwaisen. Nicht Flickr, die immens populäre Fotocommunity, die sich Yahoo einverleibt hat - sondern das weniger spektakuläre, aber sehr nützliche Fotoservice im Yahoo-Portfolio.

20.9. 2007

Am 20. September 2007 sperrt Yahoo Photos in den USA zu. Deutschsprachige Yahoo-Photo-Benutzer sind davon vorerst nicht betroffen; wer "Photos" auf Yahoo.de benutzen will, wird dazu in der üblichen fröhlichen Werbesprache animiert, ohne vor dem erwartbaren Dahinscheiden gewarnt zu werden.

Sperrstunde

Wann immer dann auch hierzulande Sperrstunde ist, es ist schon jetzt eine nützliche Warnung, dass die Lebenserwartung von Onlinediensten noch immer fraglich ist und wir unser Nutzungsverhalten dem Risiko anpassen sollten. Was sicher schon viele erlebt haben, die sich eine zweite oder dritte Mail-Adresse genommen haben: Selten genutzter Account - eines Tages nicht mehr zugänglich. Nach einer Phase der Inaktivität wird von vielen Webmaildiensten der Account geschlossen. Manche senden zumindest eine Erinnerung, bevor unsere grenzgenialen E-Mails unseren Biografen für immer verloren gehen - andere Services erklären einfach beim nächsten Anmeldeversuch: sorry.

Besser

Zwar hat sich die langfristige Verlässlichkeit von Onlineanbietern über die Jahre verbessert. Die meisten versprechen, dass ihre Dienste auf alle Ewigkeiten zur Verfügung stehen, Yahoos neuer E-Mail-Account spendiert sogar unbegrenztes Speichervolumen, Googles Mailbox fasst derzeit fünf Gigabyte und wird laufend aufgestockt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird Flickr aufgrund seiner großen Beliebtheit einen längeren Atem haben als Yahoo Photos.

Und Yahoo gebührt Anerkennung dafür, dass es erstens Monate zuvor seine Benutzer von der Einstellung informiert, und zweitens Tools zur Verfügung stellt, um die vorhandene Fotosammlung zu übersiedeln - u. a. nach Flickr, logisch, sowie vier anderen Anbietern. Hauptkonkurrent Google (Picasaweb) ist allerdings nicht dabei, obwohl es nebst Flickr wahrscheinlich die interessanteste Alternative wäre.

Eindringliche Mahnung

Aber auch wenn ein plötzlicher Verlust der Mail-Adresse oder der online gespeicherten Daten von Fotos bis Mails weniger wahrscheinlich geworden ist, so ist das Dahinscheiden von Yahoo Photos doch eine eindringliche Mahnung, nicht gänzlich auf die Sirenenklänge der Versprechungen der Onlineanbieter zu hören.

Eine Reihe von Vorkehrungen empfehlen sich. Erstens nach Möglichkeit klären, ob regelmäßige Benutzung Voraussetzung ist, dass ein Account bei einem Onlinedienst nicht einfach nach einer gewissen Zeit gelöscht wird. (Meist muss man graben, ehe man Hinweise darauf findet; Google-Recherchen nach Erfahrungen von anderen Kunden sind hilfreich.)

Kein Weg

Zweitens führt kein Weg daran vorbei, Daten weiterhin offline zu speichern: Bilder zum Beispiel stets im Original (gemeint: möglichst unkomprimierte, unbearbeitete Kopie der Originaldatei) im PC und in mindestens einem Sicherungsmedium lagern. Dazu bieten sich sowohl externe Festplatten als auch CDs/DVDs an.

Bei einer Mail (die oft nur noch online existiert) ist dies schwieriger, eine Möglichkeit ist, die Mail mittels eines Mail-Clients (Outlook, Thunderbird, Apple Mail) regelmäßig auch auf den PC/Mac "abzusaugen".

Sicherheit

Die gleichen Sicherungsaspekte gelten natürlich auch für das bereits am Computer gespeicherte Material. Inzwischen sollte mindestens eine externe Festplatte mit ausreichendem Platz für über die Jahre angesammelten Daten neben jedem Rechner stehen.

Sicherheit im Digitalzeitalter: Das bedeutet stets über mehrere Kopien verfügen, die von Zeit zu Zeit durch einen neuerlichen Kopiervorgang jung gehalten werden. (Helmut Supdich, DER STANDARD Printausgabe, 21. Juni 2007)

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