Lichtspieltheater

22. Juni 2007, 17:00
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Über 500 Aussteller zeigten auf der "Euroluce" in Mailand ihre erhellenden Aussichten in Sachen Licht - Dabei spielte die viel gehypte LED-Technologie eine besondere Rolle

Beim Genfer Autosalon im März reagierte die Autoindustrie quasi aus dem Stand mit großen PR-Aktivitäten und teils auch mit neuartigen Produkten auf die Debatte um den Klimawandel. Wie aber würden Leuchtenhersteller auf der Mailänder Großveranstaltung Euroluce auf das Problem reagieren? Bislang war es gerade in dieser Sphäre schwierig, energieeffiziente Leuchten einzusetzen. Objektleuchten lassen sich durch intelligente Computersteuerung mit elektronischen Vorschaltgeräten sparsam programmieren, aber allenfalls in Neubauten mit aufwändiger Haustechnik vernetzen Privatleute ihre Leuchten. Zudem waren bislang die Leuchtmittel das Problem: Die ersten Energiespar-Birnen brauchten lange, um hell zu leuchten, ihre Farbwiedergabe war für das menschliche Auge unangenehm und der elektronische Cocktail ihrer Schalttechnik nach Gebrauch ein Haufen Sondermüll.

Die deutlich sparsameren Light Emitting Diods (LED) hatten bis vor Kurzem noch eine viel zu geringe Lichtausbeute. Ein anderes Problem: Das Licht weißer LEDs war extrem ungemütlich und nicht warm, wie es im Wohnraum und am Arbeitsplatz erwünscht ist. Neueste Energiesparlampen und erst recht LEDs haben einige dieser Probleme überwunden. Doch die Hersteller von Energiesparlampen drücken ihre Produkte in den Markt, sind zu formalen Veränderungen kaum bereit, was bei einem Schweizer Leuchtenproduzenten jüngst dazu führte, dass eine fertig entwickelte Leuchte vergrößert werden musste, um auch für eine Energiesparbirne tauglich zu sein.

Stimmungsvolles Licht

LED-Produzenten suchen dagegen die Zusammenarbeit mit den besten Leuchtendesignern und -herstellern. Die LED-Szene will ihr Bastler-Image loswerden. Ihre Technologie entwickelt sich rasant, in immer schneller aufeinander folgenden Produktgenerationen verbessert sich die Lichtausbeute.

Ein Problem ist allerdings der Preis der LED-Bauteile. So hat Tobias Grau eine LED-Leuchte für den Esstisch, die er im vergangenen Jahr vorstellte, bislang nicht zum Serienprodukt entwickelt. Die LEDs machten sie bislang unbezahlbar. In Mailand zeigt er zwei neue LED-Leuchten: die kompakte Schreibtischleuchte "LEED" und die sehr dekorative "Casino", die mit vier Watt auskommt. Drei Dioden leuchten nach unten, eine, deren Farbe wechselt, gibt nach oben atmosphärisches Licht ab. "Casino" ist allerdings nicht zur Ausleuchtung von Wohnräumen gedacht, sondern für stimmungsvolles Licht, etwa in einer Bar.

Der belgische Designer und Unternehmer Paul Ameloot gründete vor 20 Jahren DeltaLight. Erklärtes Ziel ist, "Design mit ökonomischer Beleuchtungstechnik" zu verbinden. Mit einer ganzen Reihe von Neuheiten, darunter etliche Modelle auf LED-Basis, kam Ameloot nach Mailand. Eines von ihnen heißt "Power Flower", ist ein spielerisches und zugleich technisches Objekt in Weiß oder Silbergrau. Es enthält sieben lenkbare 1-Watt-Power-LEDs zur Akzentbeleuchtung. Das Modell "Industrial" ist eine kleine LED-Leuchtkanone, die für den Außeneinsatz geeignet ist.

Lighterios

Die österreichische Zumtobel Gruppe gilt als eines der technologisch innovativsten Lichtunternehmen und setzt dabei stets auf Design. Gleich dreimal präsentiert sich das Unternehmen auf der Messe: Bei Tridonic erfährt man zum Beispiel, dass LED-Flächenleuchten im von David Chipperfield entworfenen Neubau des Deutschen Literaturarchivs in Marbach wertvolle Manuskripte gut ausleuchten, ohne sie zu schädigen. Am Stand von Zumtobel wird die neuste Planungssoftware für Objektleuchten vorgestellt.

Die Überraschung der Messe ist jedoch "Lighteriors", die neue Zumtobel-Marke für dekoratives Innenraumlicht, die am deutschen Standort Lemgo angesiedelt ist und deren Produkte im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Der Architekt Hani Rashid entwarf den dekorativen LED-Luster "LQ".

In der "Classic Collection" werden eine Stehleuchte von Ettore Sottsass sowie Steh- und Tischleuchten der früher eigenständigen Marke Staff aus den 1960er-Jahren neu aufgelegt. Ein eigener Höhepunkt ist "Porsche Design by Zumtobel", mit drei technoid wirkenden Modellen, zwei Tischleuchten und einer Stehlampe. Beide Tischleuchten verwenden LED-Technik, in der Stehleuchte wirft dafür ein 300-Watt-Halogenstrahler Licht an die Decke. Auch das 2005 erstmals vorgestellte monumentale LED-Leuchtobjekt "Vortexx" von Zaha Hadid ist Teil von "Lighteriors".

LED-Tapete

Viele Hersteller fahren bewusst zweigleisig. Artemide stellt die neue Schreibtischleuchte "Josephine B." vor, das Design stammt von Francisco Gomez Paz und Daniele Moioli. Die Bewegungsübertragung der Ausleger erfolgt über einen Zahnriemen. Der Leuchtenkopf ist topfartig, um Glüh- oder Halogenbirne oder einen Leuchtstab aufzunehmen. Es gibt aber auch eine Alternativ-Version mit scheibenförmigem LED-Kopf. Beim Entwurf der zahlreichen Leuchten, die Ross Lovegrove neu für Artemide entwarf, kann Energieeffizienz keine Rolle gespielt haben. Ihre Schirme aus Aluminium schlucken das Licht, reflektieren es und geben ihm einen ungewohnt materiellen Rahmen.

Bei Flos gibt es viel Neues zu sehen, allerdings ohne vordergründigen Spareffekt. Wie riesige Lautsprecher hat Joris Laarman die Kegel aus geblasenem Glas bei "Nebula" arrangiert, zusammengehalten werden sie von einer Konstruktion aus Aludruckguss, beleuchtet von verspiegelten Glühbirnen. Geradezu im Innern versteckt ist die Birne beim "Skygarden" von Marcel Wanders, einer Hängeleuchte mit 90 Zentimetern Durchmesser. Erst wenn man von unten hineinschaut, erkennt man ihre feine Reliefdekoration aus Stuck.

Wer jedoch echt staunen wollte, musste Ingo Maurers Studie einer LED-Tapete begutachten und außerdem den "Swarovski Crystal Palace" in der Zona Tortona besuchen. Hier schwelgten die Designer bereits zum sechsten Mal in Swarovski-Kristallen, erdachten konservative und völlig exaltierte Konstruktionen, herausragend der "Dream Saver", ein begehbarer Wasserfall aus leuchtenden Glaskristallen von dem Belgier Arne Quinze. (Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/22/06/2007)

  • "Dream Saver" von Arne Quinze für Swarovski
    foto: hersteller

    "Dream Saver" von Arne Quinze für Swarovski

  • "Nebula", neu bei Flos
    foto: hersteller

    "Nebula", neu bei Flos

  • LED-Luster "LQ"  von Hani Rashid
    foto: hersteller

    LED-Luster "LQ" von Hani Rashid

  • "Skygarden" von Marcel Wanders
    foto: hersteller

    "Skygarden" von Marcel Wanders

  • "Power Flower" von   

DeltaLight
    foto: hersteller

    "Power Flower" von DeltaLight

  • Ingo Maurer mit   

LED-Wallpaper
    foto: hersteller

    Ingo Maurer mit LED-Wallpaper

  • Ross Lovegrove für   

Artemide
    foto: hersteller

    Ross Lovegrove für Artemide

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