Roter Sommer

22. Juni 2007, 17:00
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Man greift verstärkt zu leichteren Weinen, nicht nur der sommerlichen Hitze wegen - Das bringt Rotwein als Sommerdrink ins Spiel

" ... damit man davon auch ein zweites Glas trinken kann", lautet die Formel, die momentan etwa ebenso oft ans Weinkonsumenten-ohr dringt wie das Wort "Terroir" oder der Sager von der "Weinqualität, die im Weingarten gemacht wird". Der Trinktrend, egal in welcher Weinfarbe, geht jedenfalls eindeutig zu Leichterem, und das nicht erst, seit die Temperaturen gestiegen sind oder Gesundheitsministerinnen über "Gläser über den Durst" und Komatrinken schwadronieren. Spritzig-säuerliche Weißweine oder fruchtige Rosés werden schon seit mehreren Jahren unter der Allerweltsbezeichnung "Sommerwein" vermarktet, wobei auch der eine oder andere "Entsorgungstropfen" darunter ist: Weine einer Sorte oder eines Stils, den man als "Sommerwein" leichter unters Volk bringt denn als zarten Müller Thurgau, noch so aromatischen Muskat Ottonel oder leichten "Kabinett", und die durchaus Freude bereiten. Dazu gesellen sich - weniger erfreulich - auch Weine, die so vinifiziert werden, dass sie sich mit Herbstbeginn im geschmacklichen Nichts auflösen, oder die in der allerbesten Absicht, etwas Fruchtig-Spritziges zu machen, so unreif gelesen wurden, dass sich die Säure des Weins im Mund wie Reibsand anfühlt.

Jedenfalls rücken damit auch leichte Rotweine wieder in die Wahrnehmung, denen viele alleine aufgrund des durchscheinenden Hellrots nichts zutrauen: Nur Tiefschwarzes mit einem hohen Wert vor dem Prozentzeichen zählt.

Leichtere Rotweine, gekühlt getrunken, können ebenso erfrischen wie Weißweine, passen zu jeglicher Form von Salami und Schinken, der Heurigen-Brettl- jause, den Antipasti und auch zu vielem (gegrillten) Gemüse und zu Salaten. Ein fruchtbetonter Rotwein verträgt sich interessanterweise nicht schlecht mit Senf oder auch Essig, dem Weinkiller erster Klasse. Und er passt zu Fisch, sofern dieser einen deftigeren Eigengeschmack hat oder mit aromaintensiven Gemüsebeilagen zubereitet wurde.

Kalterer See Auslese

Viele Produzenten bemühen sich heute redlich, von den hohen Gradationen wegzukommen. In Kalifornien und Australien werden 15- und 16-Volumsprozenter als Problem wahrgenommen, dem außer mit technischen Mitteln nur mit sehr viel Geschick bei der Wahl des Lesezeitpunkts beizukommen ist angesichts des Klimas - viel Sonne, viel Zucker, folglich viel Alkohol.

Südtiroler Vernatsch ist einer der leichten europäischen Rotweinklassiker. Mehr berüchtigt als berühmt wurde er als Kalterer See Auslese, weil man mit ihm, vor allem mit seinen sehr schlichten Vertretern, Busladungen voller trinkwilliger Touristen abzufüllen pflegte. Auch ein französischer Beaujolais aus der für leichte Rotweine bestens geeigneten Gamay-Traube gehört zu dieser Art von Weinen, wobei hier ein Beaujolais-Village den meisten "Nouveau" vorzuziehen ist.

Zweigelt, Sankt Laurent oder auch Pinot Noir aus dem niederösterreichischen Kamp- oder Kremstal sind österreichische Vertreter dieses Typs Wein. Die dortige Rotweinkompetenz wird zwar sicherheitshalber belächelt, aber in letzter Zeit hat man sich große Mühe gegeben, diesen fruchtigen und harmonischen Rotweintyp, der nun einmal kein muskulöser Burgenländer sein kann, zu entwickeln und zu pflegen. Und Probieren ist nun einmal die halbe Miete am Trinkspaß. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/22/06/2007)

  • Leichtere Rotweine, gekühlt getrunken, können ebenso erfrischen wie Weißweine.
    foto: photodisc

    Leichtere Rotweine, gekühlt getrunken, können ebenso erfrischen wie Weißweine.

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