Galileo und EU-Elite-Uni streiten ums Geld

31. Juli 2007, 11:05
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Finanzierung der Prestigeprojekte völlig unklar - Wissenschaftsminister beraten - mit Kommentar

Die Wissenschaftsminister der EU beschäftigen sich bei ihrem Treffen am kommenden Montag mit dem "European Institute of Technology" (EIT), für dessen Sitz sich auch Wien beworben hat.

Allerdings sind Finanzierung und Struktur der "Antwort der EU auf die US-Eliteuniversitäten" noch völlig unklar. Ursprünglich wollte der Erfinder des Projekts, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, beim Start bereits "zwei bis drei Milliarden Euro" aus der Industrie zur Verfügung haben, doch bisher gibt es von privater Hand keinen Cent. Deswegen wurde das Konzept mehrmals geändert, und statt einer operativen Universität, wie ursprünglich geplant, ist nur noch eine Zentrale mit 60 Mitarbeitern übrig geblieben. Diese sollen die Vernetzung von Forschungsvorhaben unterstützen. Dazu soll der 15-köpfige Forschungsbeirat im Finanzzeitraum bis 2013 maximal drei "Kicks" auswählen: Forschungsschwerpunkte, die zusammen mit Spitzeninstituten bestehender Universitäten betreut werden sollen und für die es auch Geld gibt. Das Grundbudget von 308,7 Millionen soll aus dem Reservehaushalt der Union kommen. Allerdings wird auch das im kommerziellen Bereich gescheiterte Satellitennavigationssystem Galileo auf diese Reserven zurückgreifen. Da diese Rückstellungen aber nur 1,2 Milliarden Euro betragen und Galileo bis zu vier Milliarden kosten wird, ist bereits ein Streit über die Mittelverwendung ausgebrochen, in dem das Parlament im Gegensatz zur Kommission die Reserven nun überhaupt nicht mehr freigeben will.

Experten kritisieren, dass beim EIT noch kaum etwas feststehe: wer in den Forschungsbeirat entsendet wird und über die Schwerpunkte entscheidet, wer die universitären Partner sind und ob es überhaupt genug Interesse der Universitäten gibt, ihre Spitzeninstitute an das EIT auszulagern. Neben Wien haben sich für die Zentrale auch Budapest und Breslau beworben, die Entscheidung fällt bis Jahresende. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2007)

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