Von Streithansl zu Streithansl

22. Juni 2007, 15:51
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Am Freitag folgt der streitbare Walter Dorner dem streitbaren Reiner Brettenthaler an der Spitze der Ärztekammer nach - Bilanz und Ausblick einer Institution

Wien - Mit Maria Rauch-Kallat ist er per du. Mit deren Nachfolgerin an der Spitze des Gesundheitsministeriums, Andrea Kdolsky (ÖVP), kommuniziert der scheidende Ärztekammerpräsident Reiner Brettenthaler derzeit nur mehr via Leitartikel in der hauseigenen Ärztezeitung.

Dort wirft er der Politikerin Gesprächsverweigerung vor, lästert über deren "selbstdarstellerisches Feuerwerk" und ärgert sich, dass "seriöse Gesprächspartner im Ministerium nicht erwünscht" seien.

Dass es Brettenthaler selbst mitunter an Seriosität fehlte, machen hingegen seine Kritiker geltend. Deren Tenor, unisono: Der Allgemeinmediziner habe seine Stellung in der Ärztekammer (ÄK) zur Eigenprofilierung missbraucht, verfüge über zu wenig Rückhalt an der Basis - und sei folglich bei Verhandlungen nicht paktfähig gewesen. Es fehle die Handschlägqualität.

"Unnötig scharf"

Eine, die es wissen muss, ist die frühere Gesundheitsministerin. Maria Rauch-Kallat verbindet mit Brettenthaler ein "persönlich korrektes", beruflich aber ein über Jahre (seit seiner Wahl 2003) strapaziertes Verhältnis. Rückblickend sagt Rauch-Kallat über den Allgemeinmediziner: "Ich hätte mir gewünscht, dass Dinge, die vereinbart waren, auch so weiter kommuniziert worden wären."

Lieber wetterte Brettenthaler in der Öffentlichkeit jedoch gegen die geplante Qualitätssicherung in der Hand des Ministeriums, das Arzneimittelbewilligungsgesetz oder die E-Card. "Unnötig scharf" und "ruppig" nennen das einige. "Ehrlich", "hart", aber "nie beleidigend" nennt das Brettenthaler.

"Die Einheit des Standes"

In seiner Salzburger Heimat hat er mit dieser Performance vor kurzem das Präsidentenamt verloren - und sich damit auch für das Rennen um die Bundesvertretung disqualifiziert. Denn der Ärztekammerpräsident muss wie sein Vize aus der Reihe der Landesärztekammerpräsidenten kommen. Gewählt wird alle fünf Jahre. Die ÄK vertritt rund 37.000 Pflichtmitglieder in der Ärzteschaft, unterteilt nach Bundesländern und Fachärztesektionen.

Die Zahnärzte sind seit 2006 in einer eigenen Kammer organisiert. Die zwei wichtigsten Gruppen innerhalb der Ärztekammer sind die Kurien, in denen die niedergelassenen beziehungsweise die angestellten Ärzte vertreten sind. Jede dieser Kurien entsendet einen Vizepräsidenten. Diese werden am Donnerstag gewählt.

Brettenthalers bisheriger Vize, der Wiener Präsident Walter Dorner, ist von seiner Wahl am Freitag jedenfalls überzeugt: "Ich rechne schon damit." Selbst nicht immer "grün" mit seinem Vorgänger (etwa was die Frage der Privathonorare von Spitalsärzten anlangt), betont Dorner, künftig "die Einheit des Standes" vertreten zu wollen.

Der scheidende Präsident macht dennoch einige Erfolge für sich geltend: Etwa, dass die Qualitätssicherung mittels Selbstevaluierung bei den Ärzten geblieben ist. Ebenfalls auf der Haben-Seite: Die Erstellung eines Verhaltenskodex, was den ärztlichen Umgang mit der Pharmaindustrie anlangt, sowie ein moderner Ausbildungskatalog. Negativ bilanziert Brettenthaler das Thema "Ärztegesellschaften", die Gesundheitsreform und die nicht verhinderte Elektronische Gesundheitsakte.

Dass es unter seiner Präsidentschaft auch Konflikte in den eigenen Reihen gab, leugnet Brettenthaler nicht. Dorner wird übrigens mehr Rückhalt in der Ärzteschaft nachgesagt. Als streitbar gilt aber auch er, wenn es um deren Anliegen geht. (Andrea Heigl, Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2007)

  • Scheidender und neuer Ärztekammerpräsident: R. Brettenthaler und W. Dorner
    foto: standard/fischer

    Scheidender und neuer Ärztekammerpräsident: R. Brettenthaler und W. Dorner

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