Kopf des Tages: Der Chef fährt mit der U-Bahn ins Rathaus

5. Juli 2007, 12:30
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New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg nimmt das Weiße Haus ins Visier

Einer der reichsten Männer der Welt nimmt täglich die New Yorker Subway, um von seiner Wohnung in der eleganten Upper East Side von Manhattan (17 East 70th Street und, ja, er steht im New Yorker Telefonbuch) in die City Hall zu fahren. Für Bürgermeister Michael Bloomberg (65) ist es allerdings nicht nur eine Geste. Er praktiziert das schon seit 1966, als er nach New York zog. Die Subway ist, so Bloomberg, noch immer das rascheste Fortbewegungsmittel in New York.

Der seit seiner Distanzierung von der Republikanischen Partei am Dienstag als möglicher unabhängiger Präsidentschaftskandidat gehandelte Bloomberg wurde im Februar 1942 als Nachfahre jüdischer Einwanderer aus Polen in Boston geboren. Als Mitglied der lokalen Pfadfinder verkaufte er in seiner Kindheit Adventkränze, um sich das jährliche Sommerlager zu finanzieren. Seinen akademischen Grad als Elektroingenieur erwarb er sich an der angesehenen Johns Hopkins University, seinen Master of Business Administration an der Harvard Business School.

Schon sechs Jahre nach seiner Anstellung im prestigereichen Finanzhaus Salomon Brothers wurde er dort 1972 zum Partner gekürt. Mit zehn Millionen Dollar, die er bei seinem Ausscheiden als "goldenen Handshake" erhielt, gründete er die Finanzfirma Bloomberg L. P., die er in wenigen Jahren zu einem der größten Finanz-Medien-Konglomerate der Welt ausweiten konnte. Sozusagen als Nebenprodukt wurde er selbst zum Milliardär - vergangenes Jahr stufte ihn Forbes als Nummer 44 der reichsten Amerikaner ein (weltweit steht er auf Platz 142). Bloomberg hat sich im Übrigen auch einen Namen als großzügiger Geldgeber für karitative Zwecke gemacht.

Nur wenige Wochen nach der Terrorattacke auf das World Trade Center wurde er 2001 zum Nachfolger des damals als "Bürgermeister der Welt" bezeichneten Rudy Giuliani (der nicht mehr kandidieren durfte) gewählt. Verglichen mit dem schillernden Giuliani wirkte Bloomberg zunächst farblos, ihm schien es nur um die Finanzen und nicht um die Menschen der Stadt zu gehen. In kürzester Zeit gelang es ihm jedoch, mit seiner trockenen Art, seinem Humor und seinem Hausverstand die Zuneigung der New Yorker zu gewinnen. So sehr, dass er im traditionell demokratischen New York 2005 mit 58 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde.

Mit seiner geschiedenen Frau Susan Brown hat er zwei Töchter. Seine 1909 geborene Mutter erfreut sich noch immer bester Gesundheit. Seit rund sechs Jahren lebt er mit der früheren Leiterin der Bankenkommission des Staates New York, Diana Taylor (52), zusammen, die oft die Rolle der "First Lady" der Stadt übernimmt. Wenn aber die Frage aufs Heiraten kommt, winken beide ab. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2007)

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