Polizzen aus Down Under

29. Juli 2007, 19:13
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Der Markt für gebrauchte Lebensversicherungen wird in Österreich um australische Polizzen erweitert. Bisher stammten die Verträge aus Großbritannien oder den USA

Gebrauchte Lebensversicherungen, so genannte Secondhand-Polizzen, werden in Österreich seit vielen Jahren angeboten. Das System funktioniert so: Versicherungsnehmer, die ihren Vertrag vorzeitig auflösen wollen, können diesen an die Versicherung zurückgeben oder an private Institute verkaufen, die meist einen höheren Rückkaufswert bieten. Der Versicherungsnehmer wird ausbezahlt, seine Polizze läuft weiter und wandert in einen Fonds, der auch die laufenden Kosten für diesen Vertrag bezahlt. Wenn der Vertrag ausläuft, fließt die Prämie als Rendite ebenfalls in den Fonds. Die eingesammelten Prämien werden schließlich an die Anleger, die diesen Fonds gezeichnet haben, ausgezahlt.

In den USA und Großbritannien hat sich ein großer Zweitmarkt für Lebensversicherungen entwickelt. Daher kamen die Polizzen für solche Fonds hauptsächlich aus diesen Märkten.

Verträge aus Down Under

Seit Juni gibt es erstmals auch gebrauchte Lebensversicherungen aus Australien, in die österreichische Anleger investieren können. Der AVD (Allgemeiner Versicherungsdienst Gesellschaft m.b.H.) hat diese Polizzen in seine Produktpalette aufgenommen und bietet diese im "AUD-5-Portfolio" an. Anleger können ab einer Einstiegssumme von 15.000 Euro (plus 5,75 Prozent einmalige Einstiegsgebühr) von der Wertentwicklung australischer Zweitmarktpolizzen profitieren. Zielinvestment sind Verträge mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren. Die laut AVD prognostizierte Auszahlung über die Gesamtlaufzeit liegt zwischen 128 und 140 Prozent auf das investierte Kapital.

Absicherung für den Ruhestand

Lebensversicherungen sind in Australien für die Absicherung im Alter sehr beliebt, da es Down Under nur eine staatliche Einheitspension gibt, die jedoch beim Überschreiten bestimmter Vermögens- und Einkommensgrenzen entfällt. Die Ablaufleistung einer australischen Kapitallebensversicherung setzt sich zusammen aus dem Sparbeitrag, der jährlichen Zinsgutschrift sowie einem in der Höhe nicht garantierten Schlussbonus. Anders als bei vielen mitteleuropäischen Versicherungen dürfen australische Manager etwa einen höheren Anteil in Aktien investieren. Die Marktregeln gleichen jenen des britischen Markts. Das jährliche Volumen am australischen Zweitmarkt liegt derzeit umgerechnet bei 25 bis 30 Millionen Euro.

AVD hat neben Vertriebsbüros in Österreich auch eine Dependance in Deutschland und eine in der Schweiz. Verwaltet werden laut eigenen Angaben derzeit mehr als 7000 Privatkunden aus ganz Europa und mehr als 14.000 Polizzen mit einer prognostizierten Ablaufleistung von rund 558 Millionen Euro. Bisher wurden 627 AVD-Portfolios aufgelegt, wovon 68 bereits abgelaufen sind. Die verbleibenden 559 Portfolios sollen voraussichtlich rund 351 Millionen Euro auszahlen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2007)

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