Jagd auf italienische Luxushersteller

29. Juli 2007, 19:13
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Finanzinvestoren sind auf der Suche nach neuen Häppchen für ihre Portfolios

Mailand - Internationale Investoren mögen Luxus aus Italien. "Wir wollen in den italienischen Luxusgütermarkt einsteigen", bestätigte etwa Marco De Benedetti, Chef von Carlyle Italia. Der Finanzinvestor wollte die Mehrheit an Valentino, wurde aber von der britischen Private-Equity-Gesellschaft Permira überboten. Nun will er anderswo zugreifen. Aber nicht nur Carlyle ist auf der Jagd. Rothschild etwa wird Interesse an der Modeschmuckfirma Diffusione Italiana Prezisosi nachgesagt. Die Mediobanca soll hingegen das Mandat haben, um die Sportbekleidungsfirma Geo Spirit zu verkaufen. Auch hier klopfen US-Investoren an. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren ein zweistelliges Umsatzwachstum verbucht und 2006 einen Umsatz von 100 Mio. Euro erreicht.

Die Fondsgesellschaft Barclays verhandelt derzeit über eine 50-Prozent-Beteiligung bei der Sportmodenfirma Aspesi, dem Modeimperium der nordostitalienischen Unternehmerfamilie Tabacchi.

Wichtiger Markt

Italien zählt zu Europas wichtigsten Private-Equity-Märkten und rangiert nach Großbritannien, Frankreich und Deutschland an vierter Stelle. Viele Luxuswarenhersteller sind noch klein bis mittelgroß, mit guten Wachstumschancen und hohen Margen. Zudem sind die meisten nicht börsennotiert. Und vielen Familienbetrieben fehlt ein interner Nachfolger. Die Fonds können einsteigen, die Expansion begleiten und das Unternehmen an die Börse bringen, begründen Experten der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi den Trend. Im ersten Quartal gab es weltweit 47 Übernahmen im Luxussektor, zwölf davon in Italien, sagt eine Studie der auf Luxusfirmen spezialisierten Mailänder Unternehmensberatung Pambianco. Die Hälfte dieser Unternehmen landete bei Private-Equity-Fonds.

Anna Gervasoni, Generaldirektorin des Fachverbands der Finanzinvestoren Aifi, meint, dass die Fonds nach Marken suchen, die den Sprung zur Internationalisierung schaffen können, dafür aber nicht das nötige Kapital oder Know-how haben.

Einige Luxusunternehmen, etwa Bulgari oder Tod’s haben mit Finanzinvestoren eigene Fonds gegründet. So hat im Vorjahr der Fonds Charme die Designmöbel-Gruppe Poltrona Frau (Thonet) an der Mailänder Börse platziert.

Aber nicht nur auf Luxus spezialisierte Fonds (wie Charme oder der zu Louis Vuitton Moët Hennessy gehörende L-Capital) greifen zu. Auch breiter aufgestellte Beteiligungsfonds wie Orlando oder Fortelus Capital investieren in Luxus. Diese beiden Fonds haben sich kürzlich in den italienischen Luxuswarenmarkt eingekauft und den Sportbekleidungshersteller Sergio Tacchini bzw. den Nobelschuhhersteller Bruno Magli übernommen. Auch Roberto Cavalli, Modetrendsetter aus der Toskana, werden Verhandlungen mit Finanzinvestoren nachgesagt. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2007)

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