Zwillingsstädte mit Potenzial

20. Juni 2007, 15:16
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Nach dem Privatisierungsstopp für den Flughafen Bratislava wird über andere Formen der Zusammenarbeit mit dem Airport Wien nachgedacht

Auch die heimische Wirtschaft würde davon profitieren - wie generell von einer engeren Kooperation der "Twin Cities".

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Der slowakische Premier Robert Fico ließ bei seinem jüngsten Wien-Besuch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, als er sagte: "Wir werden den Flughafen Bratislava nie verkaufen." Fico löste damit ein Wahlversprechen ein, die Privatisierungen zu stoppen. Und das, obwohl die Wiener bereits als Bestbieter die Ausschreibung gewonnen hatten. Wie es nun weitergeht mit den beiden Airports, weiß niemand so recht. Laut Flughafen-Wien-Chef Herbert Kaufmann gibt es derzeit keine Signale, dass die Slowaken eine Kooperation wollen. Die Wiener fänden es sinnvoll. Allerdings müsse man schauen, ob beide unter Kooperation das Gleiche verstehen.

Möglich wäre etwa ein Betreibermodell. Dann bliebe der Flughafen im Besitz der Slowakei bzw. der öffentlichen Hand, und die Wiener würden ihr Know-how im Betrieb eines Airports einbringen. Derzeit wird der Flughafen ja nur von SkyEurope und Ryanair angeflogen. Zum Vergleich: Wien, das als eher teurer Flughafen gilt, wird von sieben Billigairlines angeflogen.

Zuschlag nur für Kosice

Bekommen haben die Wiener 2006 nur den Zuschlag für den kleinen Flughafen in Kosice in der Ostslowakei. Allein im ersten Quartal wurde dort ein Wachstum von 22 Prozent erzielt. Heuer werden über 400.000 Passagiere erwartet. Zum Vergleich: Wien zählte 2006 17 Millionen. Der Wiener Flughafen hat sich verpflichtet, in den nächsten fünf Jahren zehn Mio. Euro in den Airport Kosice zu investieren.

Eine Zusammenarbeit der Airports Bratislava und Wien käme jedenfalls auch der heimischen Wirtschaft zugute: Schließlich bietet der gemeinsame Wirtschaftsraum Wien/ Bratislava/Brno/Györ/Sopron/Eisenstadt ein Potenzial von sechs bis neun Millionen Einwohnern. Einzigartig ist die geografische Nähe: Nirgendwo in Europa liegen zwei Hauptstädte so nahe beieinander (55 km) wie die "Twin Cities" Wien und Bratislava. Die slowakische Hauptstadt ist damit näher bei Wien als St. Pölten, sie hat mehr Einwohner als Linz und Graz zusammen.

Konzepte existieren

Mit dem Ausbau der bisher sträflich vernachlässigten Verkehrsinfrastruktur könnten die beiden Hauptstädte ähnlich zusammenwachsen wie das wiedervereinte Berlin. Ist einmal die Infrastruktur vorhanden, wird auch der Anteil der heimischen Zulieferer für die in Bratislava angesiedelte Autoindustrie steigen. Ein Twin-Cities-Konzept für alle Bereiche, von Wirtschaft, Kultur bis Sport, gibt es schon hier wie dort. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.6.2007)

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