Euro-Ziel: "Dass es den Menschen besser geht"

20. Juni 2007, 15:16
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Die Euro-Einführung werde den Lebensstandard der Slowaken heben, sagt Regierungsbeauftragter Igor Barát im STANDARD-Gespräch

STANDARD: Laut jüngsten Umfragen sind 46 Prozent der Slowaken überzeugt, die Euro-Einführung in ihrer Heimat sei eine gute Idee, 42 Prozent denken genau das Gegenteil. Sind Sie zufrieden mit diesen Zahlen?

Barát: Da die geplante Infokampagne zur Euro-Einführung faktisch erst in Vorbereitung ist, halte ich diese Zahlen für ausgesprochen gut. Ein Teil der Slowaken hat eben noch nicht alle Informationen und hört umso mehr auf Gerüchte wie den "Teuro"-Effekt, der aber von keiner seriösen Analyse bestätigt wurde.

STANDARD: Hat der Staat überhaupt die Möglichkeit, ungerechtfertigte Preiserhöhungen in Zusammenhang mit dem Übergang zum Euro zu verhindern?

Barát: Vor allem: Wir sind eine entwickelte Marktwirtschaft, in der Preisregulierung einen Schritt zurück bedeuten würde. Der Schlüssel ist hier ein freies Konkurrenzumfeld und vernünftiges Verhalten der Verbraucher selbst. Staatliche Organe werden eher die Einhaltung der Regeln kontrollieren, etwa den richtigen Umrechnungskurs.

STANDARD: Was erwartet die Slowakei von einer schnellen Euro-Einführung?

Barát: Wir sind fest überzeugt, dass die Euro-Einführung in einer kleinen und offenen Wirtschaft wie der slowakischen, die in hohem Maße vom Handel mit Ländern der Eurozone abhängt, diesen Handel wesentlich einfacher und transparenter macht. Das sollte zu weiterem Wirtschaftswachstum von bis zu einem Prozentpunkt beitragen und dazu führen, dass es den Menschen besser geht. Und das ist das Hauptziel, nicht die Euro-Einführung selbst.

STANDARD: Wie gut ist die Slowakei auf den Euro vorbereitet?

Barát: Ohne Probleme erfüllen wir die Kriterien bei Zinssätzen und öffentlicher Verschuldung. Beim Kurskriterium läuft der Bewertungszeitraum im November dieses Jahres ab - auch hier sehe ich keine Probleme. Das Defizit bei den öffentlichen Finanzen ist heuer 2,94 Prozent, also unter den notwendigen drei Prozent, für 2008 sind sogar nur rund 2,4 Prozent geplant. Bleibt also nur noch das Inflationskriterium, das wir mit einer bequemen Reserve Ende des Jahres erfüllen sollten.

STANDARD: Steht der 1. Jänner 2009 als Starttermin fest?

Barát: Zu hundert Prozent ist nichts sicher - es gibt auch externe Risikofaktoren. Wenn zum Beispiel die Ölpreise auf den Weltmärkten unerwartet schnell und dramatisch steigen würden, würde sich dies auch in unserer Inflation spiegeln.

STANDARD: Gefährdet die soziale Ausrichtung der neuen slowakischen Regierung durch erhöhte öffentliche Ausgaben nicht die Einhaltung der Maastrichter Kriterien?

Barát: Das soziale Programm der Regierung wird so realisiert, dass es die Euro-Einführung nicht gefährdet. (Renata Kubicová, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.6.2007)

Zur Person
Igor Barát, früher Journalist und danach Sprecher der slowakischen Nationalbank, ist der Beauftragte der slowakischen Regierung für die Einführung des Euro.
  • Regierungsbeauftragter Igor Barát sieht keine Hürden mehr vor der planmäßigen Einführung des Euro am 1. Jänner 2009. Das Design der Euro-Münzen steht bereits fest. Rechts die Rückseite der Zwei-Euro-Münze.
    foto: standard

    Regierungsbeauftragter Igor Barát sieht keine Hürden mehr vor der planmäßigen Einführung des Euro am 1. Jänner 2009. Das Design der Euro-Münzen steht bereits fest. Rechts die Rückseite der Zwei-Euro-Münze.

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