Neue Sorten Wein und Obst

19. Juni 2007, 20:47
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Merlot statt Riesling ist realistisch, Bananen jedoch noch nicht - mit Infografik

"Der Weinbau sollte mit dem Klimawandel kein Problem haben", sagt Meteorologe Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur in Wien (Boku). Das Gegenteil ist der Fall: Wenn es wärmer wird, steigt die Qualität des Weines.

Vor allem Rotweingebiete werden sich ausweiten. Neupflanzungen werden in den trockenen Zeiten möglicherweise bewässert werden müssen, doch die alten werden besser denn je gedeihen.

Begünstigt vom kommenden warmen Wetter wird auch der Obstbau. Vor allem Beeren und Pfirsiche werden davon profitieren. Orangen und Bananen sind in Österreich aber nicht einmal Zukunftsmusik. Für diese Sorten ist es in Österreich eindeutig zu kalt, sagt Formayer. Deutsche Bauern experimentieren schon mit südlichen Sorten à la "Pink Lady", um im Notfall von den nordischen Sorten wie "Holsteiner Cox" umsteigen zu können, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Eine Sorte, die auf eisige Zeiten baut, ist der Eiswein. Die Produktion dessen werde zunehmend schwierig werden, sagte Hans R. Schultz vom Institut für Weinbau der hesseschen Forschungsanstalt Geisheim. Und auch dem Riesling wird das prognostizierte warme Wetter zu heiß. Für Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon wird aber die Anbaueignung erreicht.

Die milden Winter, Frühjahre und wärmeren Sommer werden den Vegetationsablauf beschleunigen, was die Bildung der Inhaltsstoffe beeinflussen werde, und somit werde es zu einer Verschiebung im Sortenspektrum kommen, sagte Schultz. Durch den Temperaturanstieg werden sich auch die Anbaugrenzen verschieben, nämlich um 200 bis 400 Kilometer nach Norden und 100 bis 150 Meter weiter in die Höhe. "Schon heute erzielen Weine aus dem Burgenland bei Blindverkostungen teilweise bessere Beurteilungen als manche Spitzenweine des Bordeaux", meint Manfred Stock vom deutschen Potsdam-Institut.

Trotz dieser Erfolgsmeldungen gibt es auch Schattenseiten: Mehr Sonnenstrahlung bewirken zwar stärkere Reife, aber auch Sonnenbrand. Frühe Vegetationsperioden gehen Hand in Hand mit beschleunigtem Wachstum von Schaderregern. Durch den Sortenwechsel könnten die Bauern auch Qualitäts- und Ertragseinbußen einfahren. (mil/DER STANDARD, Printausgabe, 20. Juni 2007)

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