Osterluzeifalter kommt wieder

19. Juni 2007, 20:25
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Das vom Aussterben bedrohte Tier mag die südsteirische Wärme

Der Osterluzeifalter (Zerynthia Polyxena) ist ein Spezialist. Nicht nur, dass der Schmetterling trockenes und warmes Klima bevorzugt. Er hat auch seine eigene Futterpflanze, deren Name auf ihren Daseinszweck hinweist: die Osterluzeipflanze.

Der Falter galt bisher als bedrohte Tierart. Er könnte aber zu jenen Arten gehören, die vom Klimawandel und der dadurch bedingten Erwärmung profitieren. Überdies zählt er zu jenen Tieren, die gezielt in den Murauen angesiedelt werden. "Das Besondere ist aber die Biologie", sagt Beatrix Schöller. Schöller ist Doktorandin bei Johannes Gepp, Leiter des Instituts für Naturschutz an der Universität Graz. Schon in den 1970er-Jahren hat er begonnen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Wärme liebende Arten zu erforschen. Schöller befasst sich in der Südsteiermark seit einem Jahr mit diesem Thema.

"Der Falter beziehungsweise die Raupen, benötigen die Osterluzeipflanze. Hier herrscht eine Koabhängigkeit. Der Klimawandel könnte die Temperatur erhöhen, der Falter wird aber trotzdem nicht überleben, wenn er seine Pflanze nicht hat." Wenn man also will, dass sich der Schmetterling ausbreitet, dann darf man nicht auf den Klimawandel vertrauen, sagt Schöller, die noch in den 'kommenden zwei Jahren von Spielfeld über Bad Radkersburg bis nach Deutschlandsberg ihre Temperatur- und Bestandsaufzeichnungen machen wird.

Sympathischer Kerl

Doch warum war der Osterluzeifalter, der mit seinen 55 Millimetern Flügelspannweite ein bisschen kleiner als der Schwalbenschwanz ist, bedroht? Durch die intensive Weinwirtschaft wurde seine Futterpflanze, die sich auf den sonnigen Weinhängen wohlgefühlt hatte, beinahe ausgerottet. Der Schmetterling, dessen ockerfarbene Flügel mit einem Muster von schwarzen Feldern durchzogen und mit roten Flecken gesprenkelt sind, gilt als Vorzeigetier, sagt Schöller. Er steht nicht nur für die Motivation der Menschen, ihn zu schützen, sondern ist auch ein "sympathisches Tier".

Er hat keinen etablierten Gegenspieler, mit dem er konkurrieren könnte, sagt die Zoologin. "Er ist ein weiterer Falter auf der Blumenwiese, der Nektar saugt." Es habe sich in der Bevölkerung verankert, dass das Vorkommen des Falters etwas besonderes sei, und sie helfen bei dessen Verbreitung, indem sie die Osterluzeipflanze, die als Unkraut gilt, bei sich zu Hause ansiedeln.

Heuer wurde der Falter Mitte April zum ersten Mal gesichtet, was zwar früh, aber nicht außergewöhnlich ist, erklärt Beatrix Schöller. Er überwintert als Puppe und schlüpft zwischen April und Juni. Seine Raupen werden 35 Millimeter lang und haben auf ihrem gelblichweißen Körper schwarze Punkte und rote, mit schwarzen Stacheln versetzte Dornen. (mil/DER STANDARD, Printausgabe, 20. Juni 2007)

  • Fast wäre er weg gewesen, wenn seine Pflanze nicht wiedergekommen wäre: der Osterluzeifalter mit -Pflanze.
    foto: der standard/beatrice schöller

    Fast wäre er weg gewesen, wenn seine Pflanze nicht wiedergekommen wäre: der Osterluzeifalter mit -Pflanze.

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