"Diwan ist nicht nur ein Möbelstück"

16. Juli 2007, 12:25
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Dieter Spath und Alexander Kada über die Regionale, die erstmals 2008 stattfindet

Graz – Schlösser zu sanieren sieht SP-Kulturlandesrat Kurt Flecker nicht als seine Aufgabe an: Statt Landesausstellungen gibt es künftig ein biennales, jeweils mit vier Millionen Euro dotiertes Festival der Regionen, das vom in Wien lebenden Grazer Architekten Dieter Spath geleitet wird. Als Arbeitstitel hat sich bereits der Name Regionale etabliert, aber dieser sei keineswegs fix, sagt Spath: "Es gibt zum Beispiel auch in Deutschland eine Regionale. Wir brauchen aber eine eindeutige Zuordnung zur Steiermark, damit wir die Marke schützen können." Spath denkt etwa über das Wort "Rurbane" nach, also eine Fusion von "urban" und "rural": "Der Name kratzt zwar ein bisschen im Hals. Aber er baut genau das, worum es inhaltlich geht: Dass es eine städtische Kulturproduktion im ländlichen Raum gibt."

Die erste "Rurbane" findet, wie in der Vorwoche bekannt gegeben wurde, in der Region Feldbach statt – bereits 2008 und "vermutlich in zwei Schüben, im Frühsommer und um Ferragosto". Spath hat also lediglich elf Monate Zeit. Ein Terminproblem sieht er aber nicht: "Wir haben uns für das Projekt Diwan entschieden, weil es nicht nur gut, sondern auch gut ausgearbeitet ist."

Ausgehend vom Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall und seinem Schloss Hainfeld (als Festivalzentrum) soll das Verhältnis Orient und Okzident aufbereitet werden: Über Goethes West-östlichen Diwan kam das Team rund um den Designer Alexander Kada und die ORF-Journalistin Regina Strassegger (die polternd ausschied) auf den Diwan: "Das ist ja nicht nur ein Möbelstück, sondern auch eine Sammlung oder ein Vorraum", so Kada. "Aus diesen Bedeutungen kann daher eine Bandbreite an Aspekten und Formaten entwickelt werden."

In der Regel erwartet man sich von einem Intendanten eine Handschrift: Martin Fritz zum Beispiel gestaltet das Festival der Regionen in Oberösterreich. Das Diwan-Konzept ist aber weit gediehen. Warum braucht es dann einen Dieter Spath? "Weil ich gerade im Bereich der regionalen Siedlungspolitik, des regionalen Brandings sehr viel gearbeitet habe", sagt Spath. "Deshalb wurde ich ausgewählt. Und natürlich kann man das Konzept noch umbauen. Das werden wir auch tun!"

Dass die Regionale von Wien und Graz aus konzipiert wird, stellt für ihn kein Problem dar: "Viele Einreichungen waren ein Drüberstülpen von Grazer Positionen. In diesem Fall aber gibt es eine gute Mischung: Der Feldbacher Bürgermeister hat mitgearbeitet. Und wir haben die kulinarischen Kulturträger – das Vulkanland, die Genussregion, die Weinstraßen – mit im Boot." (trenk / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.6.2007)

  • Haben nur elf Monate Zeit für die Realisierung: Alexander Kada (li.) und Dieter Spath
    fotos: e. krummer, w. thaler

    Haben nur elf Monate Zeit für die Realisierung: Alexander Kada (li.) und Dieter Spath

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