Schnaps soll teurer werden, sagen Grüne

24. Juli 2007, 16:13
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Gegen jugendliches Komatrinken und Flat-Rate-Partys als Propaganda schlagen die Grünen eine Erhöhung der Schnapspreise vor – laut Regierung keine gute Idee

Dass gegen den exzessiven, stoßartigen Alkoholkonsum von Jugendlichen – das so genannte Komatrinken – etwas unternommen werden muss, darüber sind sich Parteien und Interessensvertreter einig: Kommenden Montag wird Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) zusammen mit dem Fonds Gesundes Österreich eine groß angelegte, bundesweite Aufklärungskampagne gegen das Komatrinken starten. Das Okay dafür gab es zuletzt am Dienstag im Familienausschuss des Nationalrats.

Mit zu Kdolskys Kampagne werden alkoholfreie Sommer- Events gehören, um in der Jugend die Message zu verbreiten, dass man sich auch ohne Promille gut amüsieren kann: Gegenveranstaltungen zu den recht zahlreichen Diskontsauf-Events, die den unter Bezeichnungen wie Flatrate-, Piss- oder auch Happy-Hour-Party den raschen Rausch propagieren – und den verantwortlichen Gastronomen rasches Geld bringen.

Vorbild Zigarettenpreis

„Das ist gut, aber zu wenig“, kritisierte am Dienstag im Familienausschuss die Grüne Jugendsprecherin Barbara Zwerschitz. Und schlug vor, den Flat-Rate-Partymachern darüber hinaus die Einkünfte durch die „Einführung von Mindestpreisen für hochprozentige alkoholische Getränke“ zu schmälern. Kommerzielle Sauf-Happenings seien nichts, womit man sich einfach abfinden solle.

Vorbild bei ihrem Vorhaben sei „das Tabakgesetz, das die Gesundheitsministerin ermächtigt, die Mindestpreise für Zigaretten per Verordnung zu dekretieren“, erläutert Zwerschitz im_Standard-Gespräch. In die neue Regelung mit einbezogen werden sollten „alle Getränke mit mehr als 15 Prozent Alkoholgehalt, also vom Likör aufwärts“, nicht jedoch Bier und Wein.

Bartenstein skeptisch

„Es ist fraglich, ob so etwas EU-konform wäre“, reagiert man im Büro Kdolsky auf diesen Vorschlag. Und auch im Büro von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) zeigt man sich skeptisch: Weitaus zielführender als höhere Schnapspreise sei die geplante Novelle der Gewerbeordnung, mit der das Alkoholverkaufsverbot an unter 16-Jährige von gastronomischen Betrieben auf den Handel ausgeweitet und Strafen bei Verstößen verschärft werden sollen. Mit dieser Novelle, die bereits im Herbst zum Beschluss vorliegen wird, könne man die Attraktivität kommerzieller Saufpartys nur wenig schmälern, merkt hier Zwerschitz an. Es gehe ja auch nicht um die Flat-Rate-Partys als solche, sondern um die Beteiligung Minderjähriger an ihnen, reagiert man darauf im Wirtschaftsministerium. Werde Alkohol teurer, so fördere das „vor allem den Schmuggel und das Schwarzbrennen“.

Aus Salzburg wurde indes bekannt, dass das vor zweieinhalb Monaten eingeführte Alkoholverbot am Rudolfskai bis in den Herbst fortgesetzt werden soll. Die Zahl der Delikte sei seit Jänner kontinuierlich gesunken, ebenso jedoch die Beisl-Umsätze. (Irene Brickner/DER STANDARD; Printausgabe, 20.6.2007)

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