"Echte Besorgnis" über Globalisierung

23. Juli 2007, 19:01
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Die Arbeiterkammer sieht im Beschäftigungsbericht 2007 "erste Ansätze, um die negativen Auswirkungen der Globalisierung abzufangen"

Wien - Die Globalisierung habe zwar dazu beigetragen, dass die Einkommen vieler Arbeitskräfte gestiegen sind, für einige – vor allem für die Geringqualifizierten – habe sich die Situation jedoch verschlechtert, so die OECD in ihrem Beschäftigungsausblick 2007. Inzwischen herrsche in der Öffentlichkeit echte Besorgnis darüber, dass die Globalisierung das Lohnniveau und die Arbeitsbedingungen in den OECD-Ländern beeinträchtigen könnte.

Die OECD fordert deshalb politische Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitnehmer abzufangen. Schon 2006 empfahl die Organisation eine Reihe von alternativen Maßnahmenpaketen, die zur Erhöhung der Beschäftigung und zur Senkung der Arbeitslosigkeit beitragen sollten.

Die OECD-Experten räumen ein, dass Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung die gemessene Produktivität in einem Land senken können, etwa weil sie die Beschäftigungsmöglichkeiten für geringer qualifizierte Kräfte erhöhen. Dies habe zwar keinen Einfluss auf die Produktivität der bereits beschäftigten Arbeitskräfte, drücke jedoch das Gesamtproduktivitätsniveau.

"Soziale Vorteile"

Alles in allem gebe es aber "keine starke Evidenz für die Annahme, dass sich die in der neuen OECD-Beschäftigungsstrategie befürworteten Maßnahmen nachteilig auf das Produktivitätswachstum auswirken", so die OECD nun. Sie dürften vielmehr einen positiven Effekt auf das Pro-Kopf-BIP haben und zugleich soziale Vorteile bringen, z.B. in Form einer höheren Beschäftigung.

Produktivitätsfördernd könne sich etwa eine "großzügige" Arbeitslosenunterstützung auswirken, weil sie "den Arbeitslosen hilft, ihren Qualifikationen entsprechende Arbeitsplätze zu finden, und indem sie die Schaffung von Arbeitsplätzen mit geringer Sicherheit, aber hoher Produktivität fördert". Auch familienfreundliche Maßnahmen können die Produktivität begünstigen, weil so Eltern die Möglichkeit gegeben wird, berufstätig zu bleiben.

Auch Mindestlöhne seien anscheinend mit einem Anstieg der Produktivität verbunden, so die OECD-Experten, "was allerdings darauf zurückzuführen sein könnte, dass es für geringer qualifizierte Arbeitskräfte schwieriger wird, einen Arbeitsplatz zu finden."

Ak: Arbeitnehmer entlasten

Die Arbeiterkammer begrüßt die heute von der OECD genannten Ansätze, die "einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme" leisten können. "Während die OECD einerseits die Chancen der weltweiten Wirtschaftsintegration betont, weist sie auch auf die Notwendigkeit hin, verteilungspolitisch dafür zu sorgen, dass die Vorzüge der Globalisierung allen zu Gute kommen", so Maria Kubitschek, Leiterin des Wirtschaftsbereiches der AK Wien. Der massive Rückgang der Lohnquote besonders in Österreich stelle eine verteilungspolitische Herausforderung dar, "damit ist auch die Richtung der nächsten Steuerreform vorgegeben: Die ArbeitnehmerInnen müssen entlastet werden", so Kubitschek in einer Aussendung.

"Privat finanzierte Gesundheitssysteme nicht billiger"

Ebenfalls angesprochen werde in dem OECD-Bericht, dass zur Finanzierung des Sozialstaats die Beitragsbasis, etwa um Vermögenseinkommen, erweitert werden solle - um die Belastung des Faktors Arbeit zu verringern. Ein "bemerkenswertes Ergebnis" liefern für Kubitschek auch die im Bericht dargestellten privaten Ausgaben für Gesundheit und Alterssicherung in einigen OECD Staaten. "Es zeigt sich, dass privat finanzierte Gesundheitssysteme keineswegs billiger sind als öffentlich finanzierte. Das sollte durchaus eine Anregung für die österreichische Debatte zu Eigenvorsorge und Selbstbehalten sein", sagt Kubitschek. (red)

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