Kopf des Tages: Christine Marek

25. Juli 2007, 13:18
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Ein Stimmtalent für bessere Integration

Im Gegensatz zu Ministern leiden Staatssekretäre oft unter dem niedrigen Bekanntheitsgrad. Darum gleich vorab: Ja, Christine Marek ist die Dame mit den auffälligen Brillen. Meist trägt sie die mit dem Leopardenmuster.

Am Montag wählte die ÖVP-Staatssekretärin, unter Martin Bartenstein für Wirtschaft und Arbeit zuständig, ein kunstvolles rotes Modell – und präsentierte sich als neue schwarze Integrationsbeauftragte.

Ein längst fälliges Signal der Partei, die das Thema Ausländer meist bloß unter dem Sicherheitsaspekt betrachtet. Denn Marek, in Bayern geboren, im Alter von sechs mit der Familie zurück nach Oberösterreich übersiedelt, gilt als undogmatische ÖVPlerin. Die 39-Jährige hat ihren Sohn Maximilian alleine erzogen und in der Frage der Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften für mehr Toleranz plädiert („Ich schließe keinesfalls aus, dass Homosexuelle nicht genauso liebevolle Eltern sein können.“).

Nun soll die liberale Bürgerliche ein Integrationskonzept ausarbeiten. Nachdem der Generalsekretär nach einem „Zuwanderungsstopp“ gerufen, sich der Innenminister in Sachen Flüchtlinge und Bleiberecht monatelang stur gestellt hat. Im Unterschied zu den Hardlinern will Marek das heiße Thema Ausländer differenzierter angehen und Lösungen für Migranten, die sie demonstrativ als „positiv für eine Gesellschaft“ qualifiziert, in den Bereichen Bildung, Wohnen, Soziales und Arbeitsmarkt anbieten.

Marek wird auch in der ÖVP Überzeugungsarbeit leisten müssen, will sie tatsächlich eine Kehrtwende schaffen. Die Partei kennt Marek mittlerweile ganz gut von innen: Ihre politische Karriere startete die ehemalige Angestellte bei der Voestalpine in der Wiener Arbeiterkammer, schnell stieg sie dort 2002 zum Vorstandsmitglied auf. Parallel dazu wurde die Meidlinger Bezirkspolitikerin unter dem glücklosen Wiener Landeschef Alfred Finz zu dessen Stellvertreterin gekürt und bekam ein Mandat im Nationalrat. Dort gründete die leidenschaftliche Karaokesängerin den Parlamentschor, der seit dem Wechsel des Stimmtalents in die Regierung jedoch kaum mehr singt.

Die Erfahrungen in Wien – die rote Hauptstadt wird von vielen Konservativen gerne als migrationspolitisches Horrorbeispiel beschworen – kann Marek gut brauchen, war sie doch als Kommunalpolitikerin mit Ausländervereinen oft in Kontakt.

Woanders blieb die Staatssekretärin jedoch stets brav auf Linie. Wie ihre Parteifreunde will Marek dem SPÖ-Ruf nach Gleichstellung von Alleinerzieherinnen bei der Bezugsdauer des Kindergeldes nicht nachgeben – und begründet dies mit der Notwendigkeit eines raschen Wiedereinstiegs. Was im Hinblick auf ihre Bio kurios klingt: Sie selbst ging nach Geburt ihres Sohnes drei Jahre in Karenz. (Nina Weißensteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 19. Juni 2007)

  • Christine Marek soll für Ausländer das nette Gesicht der ÖVP darstellen.
    foto: der standard/votava martin

    Christine Marek soll für Ausländer das nette Gesicht der ÖVP darstellen.

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