"Shrek der Dritte": Ein Monster wird moralisch

18. Juni 2007, 17:41
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Franchise-Sumpfwesen mit Vatersorgen: In "Shrek der Dritte" will sich keine organische Einheit der vielen Bausteine mehr einstellen

Wien – Mittendrin befällt Shrek, der Welt prominentesten Oger, ein vielsagender Angsttraum. Er sieht sich zurück in seiner Hütte an seinem geliebten Sumpf, doch die Ruhe von einst ist endgültig dahin. In einer Wiege brüllt Nachwuchs, Fontänen von Erbrochenem ergießen sich auf den hilflosen Vater. Auf den einen Schreihals folgen noch mehr. Gleich kleinen Barockengeln stürzen sie aus allen möglichen Richtungen auf ihn ein, alle mit demselben unermesslichen Appetit gesegnet.

Die Szene soll zunächst den psychologischen Konflikt verdeutlichen, den Shrek im dritten Teil der Saga angesichts bevorstehender Vaterfreuden durchleidet. Man mag es aber auch ein wenig weit reichender sehen: Das Sumpfwesen, einst nur Held eines schmalen Kinderbuches von William Steig, verkörpert eines der lukrativsten Zugpferde der Entertainmentindustrie. Als Franchise-Produkt gehört es zu seiner Natur, reproduktiv zu sein – und sich über alle möglichen anderen Flächen auszubreiten. Bei so vielen Wiedergängern kann einem schon Angst und Bange werden.

Damit ist man schon im Kern des Dilemmas des nächsten Blockbuster-Threequels dieses Sommers. Der grüne Wüterich mit seiner erfrischend derben Art wirkte in den ersten beiden Teilen noch als komisches Gegengift zu den oft allzu harmlosen Animationsfilmen anderer Studios. Weniger ausgefeilt im visuellen Bereich als die Filme des Pixar-Studios, dafür angereichert mit Gags, die gleich mehrere Generationen zu unterhalten vermochten, wurde die Shrek-Reihe zu einer Art Selbstläufer: ein Gerüst, auf dem sich beliebig viele Bausteine aus Märchen, Sagen und Mythen auftürmen lassen, denen man eine ironische Drehung verpasst hat.

In Shrek der Dritte, inszeniert vom Debütanten Chris Miller (der mit auffällig vielen Co-Autoren auch das Drehbuch verantwortet), gerät das deshalb so offensichtlich, weil sich die einzelnen Elemente zu keiner organischen Einheit mehr zusammenfügen wollen, sondern lieblos disparat aneinandergereiht wurden. Eine Form des Ideenrecyclings, die schon dem dritten Spider-Man zum Problem wurde – auch hier wurde Mühe aufgewendet, möglichst viele Subplots in den Film einzuweben.

Lustig ist das, worüber man auch ein zweites (oder gar ein drittes) Mal lacht – so scheint in Shrek der Dritte schließlich die Humor-Devise gelautet zu haben. Ob nun die Routinen zwischen Esel und gestiefeltem Kater (der zumindest für Katzenbesitzer immer noch einige Lacher hergibt), die ostentative Körperkomik von Shrek oder seine spleenigen Sidekicks, der Gingerbread-Mann und Pinocchio – kaum etwas in Far Far Away, was nicht zuvor erprobt wurde.

Ach ja. Es muss auch noch ein König gefunden werden, weil der Froschmonarch in der vielleicht lustigsten Szene des Films endlos dahinscheidet. Sein quengeliger Thronfolger Artie – im Original von Popstar Justin Timberlake gesprochen –, der offensichtlich die Zielgruppe der Jugendlichen stärken soll, gerät leider ähnlich nervtötend wie die Kindersorgen von Shrek. So viel Moral und Rede von Bestimmung war in dieser Antimärchenwelt noch nie. (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Printausgabe, 19.06.2007)

Ab 22.6. im Kino
  • Selbstzweifel eines Ogers: "Shrek der Dritte".
    foto: uip

    Selbstzweifel eines Ogers: "Shrek der Dritte".

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