Malev positioniert sich neu

11. Juli 2007, 15:29
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Ungarische Fluglinie will mit russischer Hilfe aus roten Zahlen

Vancouver/Budapest – Nach der Übernahme der ungarischen Malev durch die russische Air Bridge weiß man bei Ungarns Fluglinie nicht recht, welche Pläne deren neuer Haupteigentümer Boris Abramovich schmiedet. Das Unternehmen Air Bridge, zu welcher auch der neue strategische Partner der Austrian Airlines in Russland, die Fluglinie Air Union, gehört, hat am 23. Februar um 102 Millionen Euro 99,95 Prozent von Malev übernommen.

"Wir können noch nicht beurteilen, wie stark die Rolle Budapests mit 'Air Bridge/Air Union' als Drehscheibe für den Verkehr nach Zentral- und Osteuropa wird", sagte Oneworld Managing Partner John McCulloch. Oneworld ist jene Allianz, zu der unter anderem British Airways, Iberia und American Airlines gehören.

Andras Zboray, kommerzieller Vorstand der Malev, hofft, dass seine Fluglinie über Air Union Zugang zu einem der größten Märkte der zivilen Luftfahrt bekommt – Russland. Es gebe keine Ambitionen von Neo-Eigentümer Abramovich, die Marke Malev unter dem Brand der Air Union zum Verschwinden zu bringen, sagte Zboray am Rande der IATA Generalversammlung in Vancouver dem STANDARD. "ir Union hat ein Unternehmen gekauft, das mit Oneworld verbunden ist und eine Verbindung zu ihrem russischen Netzwerk herstellen will."

Die im Vergleich zur AUA-Gruppe um etwa zwei Drittel kleinere Malev ist seit 1. April Teil von Oneworld. Die Ungarn, die jährlich rund drei Millionen Passagiere befördern, können diese Exklusivität in Osteuropa noch längere Zeit nutzen. „Wir haben aber erst unsere Kooperation gestartet, somit können wir noch keine Details über Auswirkungen geben“, sagte Zboray.

Bevor über neue Strecken nachgedacht werden könne, müsse Malev ihre finanzielle Basis verbessern. Zboray schließt auch nicht aus, dass manche Routen gestrichen werden könnten. Und obwohl Malev bereits zehn Prozent ihrer Mitarbeiter abgebaut, Kosten reduziert und die Produktivität der Flotte erhöht hat, muss das Unternehmen weiter optimieren, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.

British Airways Chef Willie Walsh sagte dem Standard, er sei zufrieden mit Malev: "Die Ungarn geben uns nicht nur eine Präsenz im Osten. Sie bringen vor allem viel Erfahrung und wichtige Beziehungen in der Region mit." (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.06.2007)

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