Telekom-Umsätze sinken erstmals

31. Juli 2007, 11:04
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Jeder Österreicher telefonierte im Vorjahr knapp 46 Stunden - Festnetz mit deutlichen Rückgängen am absteigenden Ast

Wien - Die Umsätze am österreichischen Telekommunikationsmarkt sind 2006 erstmals zurückgegangen. Wie aus dem am Montag veröffentlichten Kommunikationsbericht der Regulierungsbehörde RTR hervorgeht, sind die Gesamtendkundenumsätze aller Anbieter für Festnetz, Mobilfunk, Internet und Mietleitungen im Vorjahr um 0,5 Prozent auf 4,72 Mrd. Euro gesunken. Schuld daran waren vor allem Rückgänge bei Telefongesprächen über das Festnetz um acht Prozent.

Nach einem starkem Wachstum in den vorangegangenen Jahren sei es auch im Mobilfunk erstmals zu einer Konsolidierung der Umsätze gekommen, sagte RTR-Chef Georg Serentschy am Montag. Anders als im Festnetz, wo die Preise stagnieren und die Gesprächsminuten drastisch schrumpfen, sei im Mobilfunk "nach wie vor signifikante Preissenkungen" ausschlaggebend gewesen. Die Handy-Gesprächsminuten erhöhten sich im Vorjahr weiter deutlich von 11,88 auf 13,72 Milliarden Minuten, die Zahl der Gesprächsminuten insgesamt stieg auf 22,8 Milliarden Minuten.

28 Stunden am Handy

Statistisch betrachtet telefonierte jeder Österreicher demnach 2006 in Summe knapp 46 Stunden, mit dem Handy etwa 28 Stunden. Die Zahl der SMS stieg im Vorjahr von 1,66 auf 2,06 Milliarden an - auf knapp 250 pro Kopf.

Wie sich die neuen EU-Limits für Auslandsgespräche mit dem Handy auf die heimische Mobilfunk-Tariflandschaft auswirken werden, ist laut Serentschy noch nicht abschätzbar. Klar ist nur, dass mit Ende August bis September zunächst für aktive Gespräche (inklusive Mehrwertsteuer) im EU-Ausland eine Tarifobergrenze von 58,8 Cent pro Minute gelten wird und für empfangene Gespräche die Passivgebühren auf 28,8 Cent begrenzt werden. Ausführliche Informationen über die neuen Tarife will die Regulierungsbehörde erst nach In-Kraft-Treten der neuen EU-Verordnung am 2. Juli veröffentlichen.

Debatte um Re-Monopolisierung

Erst vergangene Woche hatten die kleineren Telekom-Anbieter hinter dem Ex-Monopolisten Telekom Austria eine neue Debatte über eine neue Re-Monopolisierung am österreichischen Telekom-Markt entfacht. Dass unter Anbetracht dessen die Übernahme des drittgrößten Anbieters eTel durch den Marktführer Telekom Austria im Festnetz untersagt werden hätte müssen, glaubt Serentschy nicht. Nachdem das Festnetz zurückgehe, sei ein weiteres Florieren in diesem Bereich ohnehin nicht in Sicht, erklärte er in Anspielung der zunehmenden Verdrängung des Festnetzes durch den Mobilfunk. "Wir schaffen nur die Rahmenbedingungen. Das andere sind die natürlichen Marktkräfte", so der Regulator.

Serentschys Vertrag als Geschäftsführer der RTR läuft im Herbst aus. Ob er sich wieder bewerben werde, darauf wollte er sich am Montag nicht festlegen. "Das ist noch offen", erklärte er. Diese Frage müsse man "eher an den Bundeskanzler richten". (APA)

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