Polizei verhinderte geheimes Nazikonzert nicht

5. Juli 2007, 17:57
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"Auf einem privaten Gelände veranstaltet"

Warschau - 200 Neonazis aus mehreren Ländern kamen am Wochenende in das Dorf Krasne Folwarczne in Nordostpolen, um an einem geheimen Konzert der rechtsextremen britischen Gruppe No Remorse teilzunehmen. Die Polizei hat nicht interveniert, "weil das Konzert auf einem privaten Gelände veranstaltet wurde", berichtete am heutigen Montag die "Gazeta Wyborcza".

Das Dorf liegt rund 30 Kilometer von Bialystok entfernt. Der Treffpunkt der Neonazis war ein McDonald's-Restaurant bei einer Tankstelle an der Straße Richtung Warschau. Die Tankstelle wurde von der Polizei belagert. Alle Autos mit kahlköpfigen Männer wurden aufgehalten. Die Kontrolle begrenzte sich aber auf die Überprüfung von Dokumenten. Die Polizei spürte dann dem Konvoi nach, unternahm aber nichts, um die Veranstaltung zu verhindern. Den Zugang zu dem Gelände, wo sich das Konzert abspielte, versperrten Skinheads in T-Shirts mit Hitler-Bildnis.

Keine Anzeige

Andrzej Baranowski aus der Pressestelle der Polizei in Bialystok wies im Gespräch mit der "Gazeta Wyborcza" darauf hin, dass es keine Anzeige über Veranstaltung eines illegalen Konzerts gab. "Alles spielte sich nicht an einem öffentlichen Ort, sondern auf einem privaten Grundstück ab. Bei einer Intervention würden wir das Recht brechen", erklärte Baranowski.

No Remorse ist die führende Gruppe der faschistischen internationalen Vereinigung "Blut und Ehre". Vor zehn Jahren hatten die Musiker auf ihrer Platte zur Ermordung von Juden und Dunkelhäutigen aufgerufen. In Großbritannien rief dies damals einen Skandal hervor. Der Innenminister musste sich vor dem Parlament rechtfertigen und im Land ist eine Debatte über wachsende Einflusse der Rechtsextremisten auf die Jugend entflammt. Seither werden die Konzerte der Gruppe geheim organisiert. (APA)

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