Kommunikationsbericht: Internetboom schadet klassischen Medien kaum

4. Juli 2007, 11:59
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Nach wie vor nutzen die Österreicher das Radio am meisten - Grinschgl: Medienförderung für private Anbieter dringend nötig

Fernsehen, Radio und Zeitungen dürften unter dem boomenden Konkurrenzprodukt - dem Internet - bisher kaum zu leiden haben. Dem am Montag präsentierten Kommunikationsbericht der Rundfunkregulierungsbehörde RTR zufolge hat sich die Mediennutzung bei den klassischen Medien im Vorjahr gegenüber dem Jahr 2005 kaum verändert. Das Internet konnte erneut zulegen, und zwar von 36 auf 38 Minuten täglich.

Nach wie vor nutzen die Österreicher das Radio am meisten - durchschnittlich lassen sie sich 209 Minuten täglich berieseln und damit vier Minuten kürzer als im Jahr zuvor. Rund 165 Minuten und damit zwei Minuten weniger als im Jahr 2005 hängen die Österreicher vor dem Fernseher. Das Internet wird durchschnittlich 38 Minuten genutzt, im Vorjahr waren es 36 und im Jahr 2004 29 Minuten. Es liegt damit hinsichtlich der Nutzungsdauer inzwischen vor der Tageszeitung, in der die Österreicher wie schon im Vorjahr täglich 30 Minuten blättern.

Rekordjahr für Werbung

Punkto Werbung war 2006 wieder einmal ein Rekordjahr: Mit mehr als 2,2 Milliarden Euro und einem Plus von 5,2 Prozent gegenüber 2005 wurde erneut ein Höchststand an Brutto-Ausgaben erwirtschaftet. Die größten Zuwächse verzeichnete das Privatfernsehen, das 9,2 Prozent vom Gesamtkuchen lukrierte. Laut Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der RTR, floss das meiste Geld aber in die Werbefenster der deutschen Programme, während ATV von dem Plus weniger profitierte.

Der ORF holte sich 15,6 Prozent des Werbekuchens. Auf die Tageszeitungen entfiel mit 30,3 Prozent der größte Brocken, die übrigen Printmedien lagen bei 29,5 Prozent. Hörfunk und Außenwerbung lukrierten je 7,7 Prozent der Bruttowerbung.

Medienförderung

Grinschgl brachte einmal mehr auch das Thema Medienförderung auf den Tisch: Eine Förderung für private Anbieter sei im Sinn des dualen Rundfunksystems dringend nötig, betonte der RTR-Chef und schlug die Schweizer Variante des "Gebührensplitting" als Vorbild vor. Dabei gehen vier Prozent der Rundfunkgebühren im Sinne einer "Content-Förderung" an private TV- und Radiosender.

In Österreich wäre dazu eine Gesetzesänderung notwendig, Grinschgl rechnet ohnehin damit, dass es im Herbst zu einer Änderung des entsprechenden Gesetzes kommt. Mit Blick auf den ORF meinte er: "Mir wäre eine Gebührenerhöhung lieber, als eine Erhöhung der Werbezeiten". Dem Vernehmen nach spricht der ORF derzeit mit dem Verband Österreichischer Zeitungen über eine solche Möglichkeit der Werbezeitenerhöhung. Eine Einigung ist aber nicht in Sicht.

Lobend äußerte sich Grinschgl über die Fortschritte der Digitalisierung. Österreich habe sich in den vergangenen Jahren von einem der Nachzügler ins gute Mittelfeld Europas katapultiert, mit 34,1 Prozent digitalen Haushalten liege man über EU-Schnitt (33,8 Prozent). Momentan empfangen laut RTR lediglich zehn Prozent der Haushalte ihr Fernsehprogramm noch terrestrisch. (APA)

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