Marihuana-Großhandel aufgeflogen

24. Juli 2007, 15:57
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500 Quadratmeter große Plantage - Schusswaffen sichergestellt - Hausdurchsuchungen mit Cobra-Unterstützung

Wien - Marihuana en gros: Die Polizei hat in Wien-Liesing eine 500 Quadratmeter große Plantage geschlossen, auf der binnen drei Jahren bis zu zwei Tonnen Drogen produziert wurden. Neben fünf Schusswaffen samt Munition wurden 240 Kilo Marihuana im Straßenverkaufswert von 2,4 Millionen Euro sichergestellt. Sechs Männer im Alter von 36 bis 57 Jahren wurden festgenommen. Das gab die Bundespolizeidirektion Wien am Montag bekannt.

Die Männer sollen für Herstellung und Vertrieb des Marihuanas zuständig gewesen sein, wobei ein Gutteil der Ernte in der oberösterreichischen Stadt Steyr an Endabnehmer verkauft wurde. Die Plantage im ersten Stock einer Lagerhalle in einem Industriegebiet war, wie ein Fahnder schilderte, vermutlich eine der modernsten ihrer Art in Österreich: In sieben Räumen gab es Pflanzen jeglichen Wachstumsstadiums, dazu zwei Trockenanlagen. Beleuchtung und Bewässerung wurden automatisch über Sensoren gesteuert, die Anlagen sind nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 30.000 Euro wert. Entsprechend hoch war die Stromrechnung: Sie belief sich in den drei Jahren auf 50.000 Euro. Darüber hinaus gab es einen 4.000 Liter fassenden Heizöltank.

Auf die Lagerhalle waren die Beamten der Einsatzgruppe Wien/Suchtgift durch den Hinweis eines Bürgers gestoßen. Nach zwei Monate dauernden Ermittlungen bezüglich der Hintermänner hoben sie im Februar die Plantage aus. In den Räumlichkeiten stellten sie auch ein Sturmgewehr Stg 77, einen Revolver, zwei Pistolen und ein abgesägtes Schrotgewehr sicher, dazu 300 Schuss Munition für jede Waffe. Zwei der Verdächtigen sind Mitglieder einer Motorrad-Gang. Für zwei Hausdurchsuchungen in den niederösterreichischen Bezirken Tulln und Sankt Pölten holten sich die Ermittler sogar Unterstützung durch das Einsatzkommandos Cobra.

Der Vertrieb des Marihuanas funktionierte über Subunternehmer, die laut Polizei durchschnittlich alle zwei Wochen unter anderem nach Steyr fuhren und die Drogen offenbar an Bekannte verkauften. Der Frage, wo der Gewinn aus den Geschäften geblieben ist, gehen die Ermittler noch nach. Die Verdächtigen - offiziell Beschäftigungslose - hätten nicht auf großem Fuß gelebt, soweit das bisher bekannt ist, sagte ein Fahnder. Einer sei wegen Drogendelikten vorbestraft und habe einst einen Porsche besessen. Im vergangenen Jahr sei es zu einem Streit zwischen zwei der Verdächtigen gekommen, als einer sich einen Ferrari kaufen wollte, was der andere nicht opportun empfand. Jetzt stellen die Festgenommenen die Sache als Scherz dar. (APA)

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