Skoceks Zeitlupe: Notstand

2. Juli 2007, 11:21
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Der Fußball hinkt in der Entwicklung hinterher - Spieleragenturen diktieren das Geschehen

Die 70er waren die letzten goldenen Jahre des österreichischen Fußballs. Damals brachen im Spitzensport weltweit alte Strukturen zusammen, neue Methoden wie Sportmedizin, Sportwissenschaft, Leistungsdiagnostik und Biomechanik wurden in den Kanon der Betreuung von Sportlern aufgenommen. Anlässlich der 25-Jahr-Feier des Institutes für medizinische und sportwissenschaftliche Betreuung (IMSB) wurde klar, dass Disziplinen wie Segeln, Judo, Rudern oder Schwimmen viel früher in die neue Zeit übergetreten sind als der Fußball.

Hans Holdhaus, IMSB-Gründer, Ex-Dopingjäger, Lobbyist und Vorkämpfer der Sportwissenschaft, hat in den Siebzigern unter Karl Stotz als Konditionstrainer der Wiener Austria gearbeitet. Wenn die Austria so weitergemacht hätte und die anderen Vereine auf ihre Art, Holdhaus' Schützlinge und ihre Nachfolger wären auf Jahrzehnte in Österreich unschlagbar gewesen. Aber den Vereinen waren Vernunft, Planung und Wissenschaft suspekt. Und es wird nicht besser. Die Agenturen von Jürgen Werner und Max Hagmayr, zweier oberösterreichischer Ex-Kicker, diktieren praktisch die Bundesliga-Szene. 2006/2007 hatte Werners Agentur "Stars and Friends" acht Austria-Kicker unter Vertrag. Vor wenigen Tagen hat sie Christoph Leitgeb von Sturm zu Salzburg gedrängt. Für eine fette Provision. Der Transferirrsinn ist Methode. Beispiel? Klub A kauft von Klub B einen 16-Jährigen und muss Provision an den Präsidenten von Klub C zahlen. Warum? Weil das so üblich ist, sagt der Spieleragent.

Holdhaus berät Sportler in der Sportwissenschaft. Es bräuchte mindestens noch einen Berater wie ihn zum Schutz der Fußballer vor ihren Beratern. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 18. Juni 2007)

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