Vom Institutsmitarbeiter zum Bau-Hackler

11. Juli 2007, 12:49
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US-Biotechexperte wurde aus Job gedrängt

Bad Vöslau - Für Carl Bumba, US-Biotechnologe mit Wohnort Bad Vöslau, ist Zuversicht ein zentrales Lebensprinzip. "Wir sind o. k., die Kinder sind gesund - und ich darf in Österreich ja jetzt jeden Job annehmen", sagt er.

Die aufenthaltsrechtlichen Probleme der fünfköpfigen Bostoner Familie hatten vergangenen Sommer die Aufmerksamkeit auf den Umstand gelenkt, dass die strengen Regeln des Fremdenpakets auch qualifizierte ausländische Wissenschafter betreffen - mit möglichen Nachteilen für den heimischen Forschungsbetrieb. Im Standard schilderte Bumba, dass die fünf Jahre, seit er auf akademische Einladung hin mit seiner Familie nach Österreich gezogen war, als Grundlage einer Daueraufenthaltsbewilligung plötzlich nicht mehr ausreichten. "Die neuen Ausländergesetze haben unsere langfristige Lebensplanung hier völlig über den Haufen geworfen", erläuterte der Wissenschafter, der an den führenden Biotech-Universitäten in den USA studiert hat.

Dieses Outing hatte weit reichende Konsequenzen. Nur einen Monat später hielten die Bumbas ihre Daueraufenthaltsbewilligung in Händen: eine ministerielle Einzelfalllösung. Doch auch der Kollateralschaden war nicht zu verachten: Am neuen Arbeitsplatz in einem biotechnologischen Institut war der Amerikaner plötzlich nicht mehr gelitten - Vorwürfe, Unterstellungen, am Ende Hausverbot. "Es hieß, ich hätte mich politisch zu sehr exponiert."

Ende September gab der 42-Jährige auf: Er kündigte. Und nahm, weil er rasch Geld brauchte, um die davor im aufenthaltsrechtlichen Nirwana angesammelten Schulden zu tilgen, einen Job als Betonierer am Bau an: Im Uni-Bereich habe es für ihn nach dem Gang an die Öffentlichkeit keine Chancen mehr gegeben.

Der Bau-Job sei "ehrliche Arbeit", betont Bumba. In die USA will er schon bald zurückkehren - mit der Hoffnung, dort wieder als Biotechnologe arbeiten zu können. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 18. Juni 2007)

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