"Hot Fuzz": Strafversetzung in die Action-Provinz

3. Juli 2007, 06:49
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Die Blockbuster-Parodie "Hot Fuzz": Von einer Satire über die Schrullen der Landbevölkerung zur Genreparodie

Wien - Sergeant Angel ist überkorrekt, überehrgeizig und übertrieben rechtschaffen. Die Kollegen wollen ihn deshalb am liebsten loswerden. Sein Strahlen bringt nämlich ihre Schwächen umso deutlicher zum Vorschein. Die Lösung: Angel wird befördert. Aus London muss er in ein kleines Kaff namens Sandford übersiedeln, das auf seinen Ruf, Vorzeigegemeinde für ganz Großbritannien zu sein, viel hält: Schon eine "lebende Statue" am Hauptplatz genügt hier, um für größere Unruhe unter Dorfoberen zu sorgen.

"Hot Fuzz - Zwei Bad Boys räumen auf" beginnt, recht unauffällig, mit einer Standardsituation, die ihre Komik aus sozialen Unterschieden schöpft. Der Typus des großstädtischen Polizisten, der sich in seiner schmallippigen Korrektheit äußerst unflexibel gibt, lädt förmlich dazu ein, die Ausformungen ländlichen Schlendrians im Umgang mit dem Gesetz nur noch zu unterstreichen. Dass der Sohn des örtlichen Polizeichefs, PC Butterman, selbst gerne einmal ein Pint über den Durst trinkt, gehört dabei zu jenen geringfügigen Vergehen. Die Anzeichen mehren sich, dass Angel in Zukunft vor allem mit solchen Delikten oder auch entlaufenen Schwänen beschäftigt sein wird.

Wer jedoch das Team hinter der britischen Produktion kennt, wird wissen, dass es mit dieser vergleichsweise beschaulichen Situation kaum sein Bewenden hat. Regisseur Edgar Wright, Hauptdarsteller und Co-Autor Simon Pegg sowie sein Co-Star Nick Frost stehen spätestens seit der Zombiefilm-Parodie Shaun of the Dead (2004) für eine eklektizistisch-ironische Umkehrung von Genrefilmen. Pegg und Frost spielten darin zwei Kumpels, die den Übertritt ins Erwachsenenleben verschlafen haben und dann eben auch erst zeitverzögert erkennen, dass sich ihre Mitmenschen in Untote verwandelt haben.

Auch Hot Fuzz - der Titel legt es eigentlich schon nahe - wird sich von einer Satire über die Schrullen der Landbevölkerung wegbewegen und sich mehr und mehr als Genreparodie verstehen. Erzählerisch fängt es damit an, dass Sandford nach einer Shakespeare-Vorführung die ersten Toten seit geraumer Zeit zu beklagen hat. Aus dem Einzelfall wird eine besonders blutrünstige Serie. Weil Angel (und sein tapsiger Adjutant PC Butterman) die Einzigen zu sein scheinen, die dahinter ein Muster erkennen, agieren sie bald gegen den Willen der Dorfoberen. Letztere ziehen vor, an den Zufall zu glauben. Groteske Abgründe

Mit der Mordserie ändert sich auch das Tempo. Immer groteskere Abgründe tun sich auf, bis man meint, dass aus dem Film noch eine Horrorsatire im Gefolge von The Wicker Man wird. Doch die Vorlieben der Protagonisten, in diesem Fall Action-Filme wie Bad Boys und Point Break, sind der verlässlichere Kompass.

Wright und Pegg haben sich einer Blockbuster-Parodie verschrieben, die im lokalen Umfeld die Elemente für universell etablierte Handlungsmuster aufspürt. Nun werden sie, mit dem Gestus des verirrten Fans, persifliert. Das Finale von Hot Fuzz ist dann auch derart exzessiv im Einsatz filmischer Überwältigungsmanöver, dass man den getragenen Anfang des Films kaum mehr damit in Verbindung zu bringen vermag. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 6. 2007)

Im Kino
  • Glauben nicht an Zufälle: Nick Frost (li.) als PC Butterman und Simon Pegg als DC Angel in "Hot Fuzz".
    foto: matt nettheim

    Glauben nicht an Zufälle: Nick Frost (li.) als PC Butterman und Simon Pegg als DC Angel in "Hot Fuzz".

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