Rotwange nützt ihre Chance

18. Juni 2007, 18:22
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Ausgesetzte Tiere können gefährdete heimische Arten verdrängen

Die Problematik ist nicht neu: Seit Jahrzehnten werden amerikanische Rotwangen-Schmuckschildkröten in heimischen Gewässern "entsorgt" - weil die Pflege der Tiere den Besitzern zu aufwändig wird, weil sie im Aqua-Terrarium kränkeln, weil man einfach die Freude an ihnen verloren hat. Verantwortungslos: Erstens, weil die Tiere einem ungewissen Schicksal überlassen werden, und zweitens, weil damit einheimische Lurche und vor allem die raren Bestände der Europäischen Sumpfschildkröte gefährdet werden. Rotwangen-Schmuckschildkröten fressen auch Amphibien und in direkter Konkurrenz mit Sumpfschildkröten unterliegen diese meist. Bisher konnten sich die ausgesetzten "Fremden" aber nicht vermehren - eine Klimaerwärmung könnte das ändern. "Bislang haben sich Rotwangen-Schmuckschildkröten bei uns nur ausnahmsweise fortgepflanzt. Wenn es aber wirklich eine ständige Klimaerwärmung gibt, ist es möglich, dass sie sich in der Natur erfolgreich vermehren", erklärt Wolfgang Rabitsch vom Umweltbundesamt. Sein Kollege Franz Essl legt dar: "Wenn sich Rotwangen-Schmuckschildkröten durch für sie günstigere klimatische Bedingungen fix etablieren, werden sie bestimmt zur Gefahr für unsere Sumpfschildkröten, weil sich diese, wenn es um die Besetzung von Nahrungsrevieren oder auch Besonnungsplätzen geht, schlechter durchsetzen können."

Der südamerikanische Nutria, auch "Sumpfbiber" genannt, ist ein "Gefangenschaftsflüchtling". Nutrias wurden für die Pelztierzucht importiert, einzelne entkamen. Essl: "Die Populationen bei uns sind relativ klein, weil die Tiere im Winter stark dezimiert werden. Wird es wärmer, ist mit Bestandszuwächsen zu rechnen." Anderswo gelten Nutrias bereits als "Schädlinge", weil sie Ufer und Dämme unterminieren.

Derzeit wird eine neue Studie "Neobiota und Klimawandel" durchgeführt. In Zusammenarbeit mit Deutschland werden 30 "neue" Pflanzenarten untersucht - und auch Fische. Essl: "Unter anderem der aus Asien stammende Blaubandbärbling. Er wurde mit Fischlarven irrtümlich eingeschleppt bzw. von Fischern als Köder in unsere Gewässer entlassen. Er hat sich erstaunlich vermehrt." (Marijana Miljkovic, Andrea Dee/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 6. 2007)

Klimawandel in Österreich, Teil 2
  • Rotwangen-Schmuckschildkröte: In der freien Natur verdrängt sie die heimischen Sumpfschildkröten.
    foto: h.-w. gromping

    Rotwangen-Schmuckschildkröte: In der freien Natur verdrängt sie die heimischen Sumpfschildkröten.

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